Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Richtige Mundhygiene Vorbeugung vor Karies und Parodontitis

Regelmäßige Zahnarztbesuche, bei denen auch der Zustand des Zahnfleisches untersucht wird, sind wichtig. Mindestens genauso wichtig ist allerdings die regelmäßige und richtige häusliche Mundhygiene.

Von: Klaus Schneider

Stand: 01.08.2016

Junge beim Zähneputzen | Bild: picture-alliance/dpa

Theoretisch wäre eine einmalige Zahnreinigung pro Tag ausreichend. Wenn man damit jede Verunreinigung komplett entfernen könnte. Das ist aber nicht zu schaffen. Deshalb muss die Zahnbürste öfter zum Einsatz kommen.

Faustregel:

Wer gerne Süßes isst, sollte drei Mal täglich die Zähne putzen. Ansonsten reicht zweimal aus. Allerdings in der ausreichenden Länge: zwischen drei und vier Minuten, und zwar gleichmäßig verteilt auf alle Zähne.

Wir putzen immer noch zu wenig

"Wenn wir davon ausgehen, dass man zwei bis drei Mal täglich je drei bis vier Minuten Zähne putzen soll, waren wir vor 30 Jahren bei 40 bis 45 Sekunden und sind heute im Durchschnitt bei 48 bis 50 Sekunden – also noch immer restlos defizitär."

Prof. Dr. Anselm Petschelt

Das richtige Werkzeug

Egal, ob man mit einer normalen Handzahnbürste oder mit einer elektrischen Bürste arbeitet: Wichtig ist, dass nicht zu fest aufgedrückt wird und damit der Zahnschmelz nicht "weggebürstet" wird. Deshalb lieber gegebenenfalls eine etwas weichere Zahnbürste nehmen und in vertikalen Bewegungen bürsten, also vom Zahnfleisch weg bürsten und nicht quer über die Zähne.

Handzahnbürste oder elektrisch?

"Man muss sagen, dass man mit heutigen elektrischen Zahnbürsten bei richtiger Anwendung etwas sauberer putzen kann, als mit Handzahnbürsten."

Prof. Dr. Anselm Petschelt.

Mundduschen

Mundduschen können im Grunde nur Speisereste ausspülen, keine Beläge entfernen. Angeblich können gewisse neue Mundduschenmodelle auch Plaque auf dem Zahn lösen. Prinzipiell ist es jedoch so, dass die mechanische Zahnreinigung, also Zahnbürste in Kombination mit Zahnseide für die Zwischenräume, durch nichts zu ersetzen ist.

Die Zahnzwischenräume

Mit der normalen Zahnbürste allein ist es nicht getan. Um Speisereste und damit Plaquebakterien zwischen den Zähnen gründlich entfernen zu können, muss man mit Zahnseide oder Zahnzwischenraum- bzw. Interdentalbürsten arbeiten.

"Jede Parodontitis beginnt im Zahnzwischenraum. Und wenn man dort vermehrt putzt, tut man genau das, um die Parodontitis in Schach zu halten. Das gilt sowohl für diejenigen, die noch keine Parodontitis haben, als auch für diejenigen, die schon davon betroffen sind."

Prof. Dr. Anselm Petschelt

Zahnseide oder Interdentalbürste?

Bei gesunden Zähnen ist der Raum zwischen den Zähnen ausgefüllt. Hier empfiehlt sich die Zahnseide. Wenn jedoch eine Zahnbetterkrankung – sprich Parodontitis – vorliegt oder auch schon behandelt ist, muss man zur Interdentalbürste greifen, und zwar in der optimalen Größe.

Interdentalbürsten: Verschiedene Größen

Die Abstände zwischen den Zähnen sind unterschiedlich. Zwischen den Zähnen gibt es zudem Einziehungen, ähnlich wie bei einem Flaschenhals. Das heißt, die Bürste muss auch nach einer Verengung auch breitere Lücken zwischen den Zähnen erreichen können. Dementsprechend vielfältig ist auch die Auswahl an Interdentalbürsten.

"Am besten lässt man sich beim Zahnarzt genau sagen, welche Stärke für einen geeignet ist. Es kann auch gut sein, dass es heißt: 'Für diesen Bereich der Zähne nehmen Sie zum Beispiel 0,3mm, für den anderen 0,5mm'."

Prof. Dr. Anselm Petschelt.

In der Regel gilt: Je jünger der Patient, desto enger sind die Zahnzwischenräume, desto dünner müssen dann die Interdentalbürsten sein.

Zahnfleischbluten beim Putzen

Wenn man mit der interdentalen Reinigung anfängt – egal, ob mit Zahnseide oder Bürsten – blutet es bei den meisten Menschen, denn es gibt dort immer geringe Entzündungen. Bei richtiger und regelmäßiger Anwendung hören die Blutungen auf. Bestehen die Blutungen jedoch weiter, liegt sehr wahrscheinlich eine Entzündung vor, also eine Gingivitis (Entzündung des Zahnfleischrandes) oder Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats). Ein Zahnarztbesuch ist dann angebracht.

Professionelle Zahnreinigung

Wenn man gesund ist und richtig Zähne putzt, ist rein theoretisch keine professionelle Zahnreinigung nötig.
ABER: Nur einige wenige Prozent der Bevölkerung haben keine Entzündung in der Mundhöhle. Sieht man also die professionelle Zahnreinigung als Prophylaxe für Gingivitis und Parodontitis, macht sie absolut Sinn.

Zahnversiegelung

Sie dient der Kariesprophylaxe bei Kindern und Jugendlichen. Es gibt sogenannte Prädilektionsstellen, also Stellen, wo Karies besonders häufig entsteht. Dazu gehören die sogenannten Fissuren, also die tiefen Rillen auf der Kaufläche der Zähne, denn die Zahnbürste kommt nicht in die Fissuren hinein. Sind Bakterien auf den Fissuren, kann dort Karies entstehen. Um das zu verhindern, werden Fissuren bei einer Zahnversiegelung oberflächlich mit Kunststoff verschlossen. Sie ist jedoch nur bei Kindern und Jugendlichen sinnvoll.


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