Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapiemethoden Behandlung von Lymphomen

Für eine korrekte Diagnose des Lymphdrüsenkrebses ist die Entnahme eines befallenen Lymphknotens mittels einer kleinen Operation erforderlich. Nur so kann das Wachstumsmuster des Lymphoms und die Zusammensetzung der unterschiedlichen Zellformen genau untersucht werden.

Stand: 18.07.2017

Tropf für Chemotherapie | Bild: picture-alliance/dpa

Angesichts der großen Zahl unterschiedlicher Lymphom-Typen ist es oft nicht einfach, den speziellen Typ des Lymphknotenkrebses im Einzelfall zu diagnostizieren. Da dies jedoch die Wahl der Behandlung entscheidend beeinflusst, ist in Deutschland mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe ein Netzwerk von sechs sogenannten Referenzzentren entstanden, an denen Lymphom-Experten die Diagnose überprüfen und absichern.

"Deutschland hat in der Behandlung des Lymphdrüsenkrebses weltweit eine führende Rolle."

Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann

Die Wahl der richtigen Therapie

Welche Art der Behandlung die jeweils richtige ist, hängt von der Art und Aggressivität des Lymphoms ab. Grundsätzlich kann man sagen: Für alle Arten von B-Zellen-Lymphomen empfiehlt sich eine Kombination aus Immuntherapie und Chemotherapie. Je nach Typ des Lymphoms kann die Chemo dann eher niedrig (follikuläre Lymphome) oder höher (Burkitt- oder diffus-großzellige Lymphome) dosiert sein.

Immuntherapie

Immuntherapie bedeutet hier konkret, dass ein Antikörper gespritzt wird, der sich gegen ein bestimmtes Oberflächenmerkmal des Lymphoms richtet (CD 20-Antigen) und somit die Wirkung der Chemotherapie sehr effektiv verstärkt. Großzellige B-Zellen-Lymphome können so mit der Aussicht auf Heilung behandelt werden. Die follikulären Lymphome können auf diese Weise in den allermeisten Fällen stark zurückgedrängt und damit das Leben wesentlich verlängert werden.

Alternative Behandlungsformen

Neben etablierten Behandlungsformen wird oft die Frage nach Alternativen gestellt.

"Dazu ist grundsätzlich zu sagen, dass eine echte Alternative, also eine gleichwertige andersartige Behandlung nicht existiert. Keines der sogenannten biologischen Therapieverfahren hat nachweisen können, dass es zu einer anhaltenden Rückbildung von Lymphdrüsenkrebs führt. Unumstritten ist jedoch, dass die Nebenwirkungen einer Chemotherapie durch einige ergänzende Verfahren abgemildert werden können."

Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann

Immunstimulation – Segen oder Schaden?

"Es ist nachgewiesen, dass Therapien mit Mistelextrakt oder Thymuspräparationen das Immunsystem unspezifisch stimulieren. Da Lymphdrüsenkrebs jedoch von den Zellen des Immunsystems ausgeht, besteht durch den Einsatz solcher Substanzen die Gefahr, nicht nur die gesunde Immunabwehr anzuregen, sondern auch das Wachstum des bösartigen Lymphoms. In der Tat wurden eine ganze Reihe von Berichten über ein verstärktes Wachstum bösartiger Lymphome durch unspezifische biologische Medikamente veröffentlicht. Aus diesen Gründen ist vom Einsatz solcher Behandlungen bei Lymphdrüsenkrebs dringend abzuraten und er ist auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt zu besprechen."

Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann

Das Immunsystem mit den eigenen Waffen schlagen

Für die Behandlung von Lymphdrüsenkrebs werden gegenwärtig viele neue Strategien entwickelt und zum Teil schon klinisch erprobt:

  • Derzeit wird unter anderem versucht, Zellen des Immunsystems gezielt gegen bösartige Lymphom-Zellen zu aktivieren.
  • Andere Ansätze gehen der Entwicklung neuer Antikörper nach, die (ähnlich wie Rituximab) Lymphom-Zellen vernichten sollen.
  • Schließlich sind zahlreiche Medikamente in der Entwicklung, die in den Stoffwechsel und das Wachstum bösartiger Zellen eingreifen.

Tipp: Wo man sich behandeln lassen sollte

"In der nahen Zukunft ist mit weiteren Fortschritten in der Behandlung zu rechnen. Es besteht die berechtige Hoffnung auf wesentlich verbesserte Heilungsaussichten. Patienten mit Lymphknotenkrebs sollten sich daher vorzugsweise von Institutionen behandeln lassen, die über die neuesten Kenntnisse verfügen und den aktuellen Fortschritt am besten überblicken." Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann


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