Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Lymphdrüsentumoren Non-Hodgkin Lymphome

Als Non-Hodgkin-Lymphome bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher Arten von Lymphdrüsentumoren. Sie alle sind gekennzeichnet durch eine Entartung von normalen Immunzellen (Lymphozyten) in den Lymphknoten oder im Knochenmark.

Stand: 18.07.2017

Mikroaufnahme eines malignen Lymphoms | Bild: picture-alliance/dpa

Häufig haben die Patienten zunächst einmal gar keine Symptome. Manchmal tritt ein allgemeines Krankheitsgefühl oder Fieber auf, ohne dass ein Infekt vorliegt. Meist aber kommt man dem Krebs erst auf die Spur, wenn ein stark vergrößerter Lymphknoten entdeckt wird.

Zusätzliche Symptome

Dadurch, dass Lymphome auch bestimmte Botenstoffe (Zytokine) produzieren, kann es zu weiteren, eher unspezifischen Symptomen kommen:

  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Nachtschweiß (massiv und über eine Zeit mindestens zehn bis zwölf Tagen hinweg)
  • ungeklärte Fieberschübe

Wann spricht man von einem malignen Lymphom?

Von einem malignen Lymphom – also Lymphdrüsenkrebs – spricht man immer dann, wenn Zellen des lymphatischen Systems bösartig werden, d.h. wenn diese beginnen, unkontrolliert zu wachsen und sich auszudehnen.

Arten maligner Lymphome

Die malignen Lymphome sind eine ausgesprochen heterogene Gruppe von Tumoren. Es gibt etwa 40-45 verschiedene Formen. Die Palette reicht von sehr aggressiven und akut lebensbedrohlichen Arten, die sofort behandelt werden müssen bis hin zu Verlaufsformen, die .z.T. über viele Jahre unbehandelt bleiben können oder sogar müssen.

Ein mobiler Krebs

Da die Lymphozyten nicht an einen Ort gebunden sind, sondern im Körper herumwandern (von den Lymphknoten in die Lymphgefäße oder ins Blutsystem), sind auch die Tumorzellen äußerst beweglich. Lymphdrüsenkrebs ist deshalb eine Erkrankung, die man nicht durch Operation heilen kann.

"85 Prozent der Lymphknoten-Krebserkrankungen gehören zu der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Aus bislang ungeklärten Gründen nimmt die Zahl insbesondere in den Ländern der westlichen Welt in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu."

Prof. Wolfgang Hiddemann

In Deutschland erkranken derzeit jährlich etwa 30 bis 40 von 100.000 Menschen.

Häufigkeit der Lymphomarten

Die häufigsten Formen der Lymphome sind die diffus-großzelligen (etwa 25 bis 30 Neuerkrankungen pro hunderttausend Einwohner jedes Jahr) und die follikulären Lymphome (etwa 15 bis 17 neue Fälle pro hunderttausend). Beide Arten gehören zu den B-Zellen-Lymphomen. Alle anderen Arten liegen in ihrer Häufigkeit unter 10 Prozent.

Die aggressivsten Lymphomarten

Zu den aggressivsten und am schnellsten wachsenden Lymphomarten gehören das relativ seltene 'Burkitt-Lymphom' und viele der diffus-großzelligen B-Zellen-Lymphome. Vom Burkitt-Lymphom sind vor allem jüngere Menschen zwischen 20 und 40 betroffen. Diese Form beginnt meist im Bauchraum zu wachsen und breitet sich dann sehr rasch im Körper aus.

Das Mantelzell-Lymphom

Das Mantelzell-Lymphom heißt so, weil es aus den Zellen des Lymphknotens hervorgeht, die seine äußere Schicht bilden (den sogenannten 'Mantel'). Es liegt von seiner Aggressivität her ungefähr in der Mitte des Spektrums. Vom Verlauf her ist das Mantelzell-Lymphom sehr heterogen. Die meisten dieser Tumoren wachsen relativ schnell. Rund zehn bis 15 Prozent der Mantelzell-Lymphome verlaufen dagegen eher langsam.

Die diffus-großzelligen B- Zell-Lymphome (früher auch hochmaligne Lymphome genannt) befallen die Zellen mit relativ großer Streuung (diffus).

"Diese Lymphome treten bei Kindern und Jugendlichen sowie im Alter von über 60 Jahren am häufigsten auf. Sie schreiten relativ rasch voran und führen unter anderem zu Lymphknotenschwellungen, Abgeschlagenheit und Fieber. Wie beim Morbus Hodgkin erfolgt auch bei diesen Lymphomen die Behandlung in Abhängigkeit vom Erkrankungsstadium, überwiegend in Form einer Kombination von Antikörpern und einer Chemotherapie. Wie beim Morbus Hodgkin ist eine Bestrahlung nur bei großen, anfangs bestehenden Lymphom-Massen oder aktiven Lymphom-Resten nach der Chemotherapie vorgesehen."

Prof. Wolfgang Hiddemann

Die follikulären Lymphome (früher auch niedrig-maligne oder indolente Lymphome genannt), werden so genannt, weil sie an ihrem Wachstumsmuster kleine Knötchen (die sogenannten Follikel) bilden.

"Sie treten bevorzugt im höheren Lebensalter auf, meist jenseits der 60 Jahre. Auch bei diesen Lymphomen ist die Schwellung der Lymphknoten das häufigste Krankheitsmerkmal. Die follikulären Lymphome schreiten jedoch nur langsam voran, manchmal bleiben sie sogar für einige Zeit ganz stehen. Deshalb bemerken viele Patienten die vergrößerten Lymphknoten lange Zeit nicht oder nehmen sie nicht ernst. Die Erkrankung wird in den meisten Fällen erst spät entdeckt, wenn bereits die Lymphknoten in allen Regionen des Körpers vergrößert sind. Häufig sind dann schon Knochenmark, Leber und Milz befallen. Im fortgeschrittenen Stadium ist eine Heilung meist nicht mehr möglich. Durch eine sehr effektive und gut verträgliche Therapie kann die Krankheit jedoch über viele Jahre bei guter Lebensqualität in Schach gehalten werden."

Prof. Wolfgang Hiddemann

Die lymphoblastischen Lymphome

Auch die lymphoblastischen Lymphome gehören zu den B-Zellen-Lymphomen. Sie verlaufen, ähnlich wie die Burkitt-Lymphome, oft sehr aggressiv und wachsen sehr schnell.

Einteilung in B- und T-Zellen Lymphome

Heute werden Lymphome grundsätzlich (nach Lennart) nach den Zellen klassifiziert, wo sie innerhalb des lymphatischen Systems ihren Ursprung haben. Deshalb die generelle Einteilung in B- und T-Zellen-Lymphome. Insgesamt sind etwa 90 Prozent aller Lymphome B-Zellen-Lymphome (z.B. Mantellzell-Lymphome und Burkitt-Lymphome). Die B-Zellen produzieren im Körper unter anderem Antikörper, die sich gegen Bakterien richten. Die T-Zellen dagegen bekämpfen Viren und erkennen bösartige Zellen. Früher war daneben auch eine (aus den USA stammende) Einteilung der Lymphome nach dem Grad ihrer Bösartigkeit gebräuchlich.

Warum sind die B-Zellen so anfällig?

Zu der Frage, warum die B-Zellen so viel anfälliger für Lymphome sind als die T-Zellen, gibt es verschiedene Theorien. Fest steht: B-Zellen teilen sich deutlich häufiger und sind deshalb möglicherweise empfänglicher für eine Zellentartung.

Unklare Ursachen

Warum Lymphome überhaupt entstehen, ist bislang weitgehend unklar. Ein direkter Zusammenhang mit bestimmten Lebensstilfaktoren (wie z.B. zwischen Lungenkrebs und Rauchen) ist hier jedenfalls nicht erkennbar. In seltenen Fällen (etwa bei manchen Mantelzell-Lymphomen) können genetische Ursachen ausgemacht werden.


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