Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


0

Morbus Hodgkin Seltener Lymphknotenkrebs

Das Hauptmerkmal der Erkrankung ist eine zumeist schmerzlose Lymphknotenschwellung ohne erkennbare Ursache (keine Infektion oder Entzündung). Meist sind die Halslymphknoten als erstes betroffen, seltener die der Achsel oder der Leiste.

Stand: 18.07.2017

Schriftzug: Morbus Hodgkin | Bild: BR

Als besonders verdächtig gelten Lymphknotenschwellungen an mehreren Stellen gleichzeitig. Unter dem Mikroskop lässt sich im Gewebebild des Lymphknotens eine besondere Zellart (Sternberg-Reed-Zellen) erkennen, wodurch sich die Erkrankung von den Non-Hodgkin-Lymphomen abgrenzt.

Tipp: Bei folgenden Symptomen sollte ein Arzt befragt werden

  • Schmerzlose Schwellung von Lymphknoten, die einige Wochen anhält
  • Fieber, das auf keine Infektion zurückzuführen ist
  • Unklarer Gewichtsverlust

Entdecker und Namensgeber: Dr. Thomas Hodgkin.

Der Morbus Hodgkin ist eine vergleichsweise seltene Form des Lymphknotenkrebses, der vor allem Menschen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren betrifft. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Die Ursache der Krankheit ist ungeklärt. Zwar gibt es in einigen Fällen Hinweise auf eine Verbindung mit bestimmten Viruserkrankungen (insbesondere dem Ebstein Barr Virus), als generelle Ursache kann dieser Zusammenhang jedoch nicht angesehen werden. Eine erbliche Veranlagung besteht nicht. Auch tritt der Morbus Hodgkin nicht häufiger bei Patienten auf, die an der Immunschwächekrankheit AIDS leiden.

Gute Heilungschancen mit Chemotherapie

"Morbus Hodgkin ist eine Krebsform mit sehr guten Behandlungsmöglichkeiten und heute eine in den meisten Fällen heilbare Erkrankung. Dies ist in erster Linie auf sehr wirksame Medikamente zurückzuführen, die in Kombination verabreicht werden."

Prof. Wolfgang Hiddemann

Bei der Chemotherapie verabreicht er Medikamente mehrmals (meist sechs- bis achtmal) im Abstand von wenigen Wochen. Welche Medikamente eingesetzt werden und wie oft die Chemotherapie wiederholt werden muss, hängt von der Ausdehnung der Erkrankung zu Behandlungsbeginn ab.

Wann ist eine Strahlentherapie sinnvoll?

"Die Bestrahlung von einzelnen Lymphknotenregionen hat heute an Bedeutung verloren. Sie kommt überwiegend dann zum Einsatz, wenn zu Beginn der Erkrankung sehr große Lymphom-Massen vorhanden sind ('bulky disease') oder wenn nach einer Chemotherapie noch aktive Reste bestehen."

Prof. Wolfgang Hiddemann

Fazit

"Insgesamt gilt es abzuwägen zwischen der positiven Wirkung und den möglichen Nebenwirkungen. Es muss dem Patienten bewusst sein, dass er eine Krankheit hat, die bei unzureichender Behandlung zum Tode führt. Heutige Behandlungskonzepte haben große Heilungschancen und langfristige Schäden sind relativ selten."

Prof. Wolfgang Hiddemann

Nebenwirkung auf die Familienplanung

Bei einer ausgedehnten Erkrankung ist durch die Behandlung eine Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit möglich. So wird bei Männern vor der Behandlung Sperma gewonnen und in einer Samenbank gelagert. Bei Frauen erfolgt eine Hormonbehandlung, durch die die Eierstöcke geschützt werden können.


0