Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Ursachen Woher kommt Inkontinenz?

Die Harnblase ist ein kugelförmiger und sehr dehnbarer Muskel, der über Niere und Harnleiter mit Urin gefüllt wird. Bei einer gewissen Füllmenge geben die Nerven den Impuls ans Gehirn: "Die Blase ist voll!"

Stand: 18.02.2016

Die Illustration zeigt eine Belastungsblase im menschlichen Körper.  | Bild: picture-alliance/dpa

Je nach Blasenkapazität ist das schon bei 300 oder erst bei 500 Millilitern der Fall. Je weniger Volumen eine Blase fassen kann, desto früher erfolgt die Meldung an das Gehirn. Normalerweise ist das kein Problem: Der gesunde Mensch hält den Urin so lange zurück, bis er durch ein bewusstes Öffnen des Verschlusssystems durch die Harnröhre abfließen kann.

Ursachen für eine Harninkontinenz

Im Volksmund wird Harninkontinenz gerne auch als "Blasenschwäche" bezeichnet. Gemeint ist die Unfähigkeit, Urin bewusst zurückzuhalten. Genau genommen betrifft diese "Schwäche" aber nicht die Blase, sondern ihre trichterförmige Ausflussöffnung, die normalerweise durch zwei Muskelringe fest verschlossen ist. Die Harnblase ist nur "dicht", solange die Kraft des Beckenbodens und der Schließmuskeln groß genug ist, dem Füllungsdruck der vollen Blase standzuhalten.

Drei Funktionsstörungen - nach Prof. Dr. Seelbach-Göbel:

1. Störung der Blasenmuskulatur

In einigen Fällen zieht sich die Blasenmuskulatur spontan zusammen, ohne dass ein Harndrang vorliegt. Damit presst sie Urin aus der Harnröhre. Ein überaktiver Blasenmuskel wird häufig auch als Reizblase oder als Dranginkontinenz bezeichnet. Das kann psychisch bedingt sein, muss es aber nicht. Im Extremfall ist ein normales Leben aufgrund des ständigen Drangs, auf die Toilette gehen zu müssen, unmöglich.

2. Störung des Verschlusssystems der Harnröhre

Das Signal "Bitte schließen!" wird zwar empfangen, kann aber nicht ausgeführt werden, weil der Schließmuskel nicht mehr kräftig genug ist. Das betrifft die Mehrzahl der Fälle, sowohl bei Harninkontinenz als auch bei analer Inkontinenz, bei der unwillkürlich Stuhl abgeht.

3. Störung des Nervensystems

Die Meldungen an das Gehirn oder die vom Gehirn kommenden Signale sind unterbrochen. Die Meldung, dass die Blase voll ist, kommt nicht im Bewusstsein an. Der Patient verspürt keinen Harndrang und die Blase läuft einfach über. Das ist bei einigen wenigen Patienten mit Querschnittslähmung der Fall.


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