Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Das erworbene Immunsystem Kampf des lymphatischen Systems

Jeder Mensch macht andere Krankheiten durch. Mit den Keimen, die ein Baby von Geburt an aufnimmt, trainiert der Körper seine Abwehrreaktionen. Denn er muss erst lernen, zwischen fremden und eigenen Zellen zu unterscheiden.

Von: Justina Schreiber

Stand: 28.08.2017

Mann niest in ein Taschentuch | Bild: Stockbyte

In den Gedächtniszellen des erworbenen Immunsystems speichern sich dann die Informationen über Infektionen und ähnliche Erfahrungen wie Impfungen.

Im jugendlichen Alter ist das erworbene Immunsystem ausgereift. Wenn ein Kind in besonders keimarmer Umgebung aufwächst und nicht geimpft wird, verfügt es möglicherweise über nur wenige Antikörper. Es kann gefährlich werden, wenn das immunologische Gedächtnis zu schwach ausgeprägt ist.

"Das immunologische Gedächtnis erlaubt uns, bei einer zweiten Infektion mit denselben Erregern sofort zuzuschlagen. Wir spüren davon meistens gar nichts mehr. Das ist auch das Prinzip der Impfung: dass man ein solches Gedächtnis erzeugt, damit bei einer richtigen Infektion die Entfernung der Erreger kaum oder gar nicht merklich stattfindet."

Prof. Dr. rer. nat. Thomas Brocker

Die Immunität betrifft vor allem Krankheiten, die durch Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst werden.

Das passiert bei einer Infektion

Wenn die Schleimhäute wegen trockener Heizungsluft oder Zugluft schlecht durchblutet sind oder besonders viele Keime unterwegs sind, fängt sich der Mensch Erkältungen ein. Viren dringen in Körperzellen ein und vermehren sich dort. Das angeborene Immunsystem hält den Gegner in Schach, bis das erworbene Immunsystem seine hochspezifische Antwort fertig hat. Die Botenstoffe, die im Zuge der Abwehrreaktion frei gesetzt werden, bewirken grippale Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen.

Das läuft auf Zell-Ebene ab

Dendritische Zellen des angeborenen Immunsystems wandern in das lymphatische System, um Bruchstücke eingefangener feindlicher Keime zu präsentieren. Jetzt muss sich eine T-Zelle finden, die die fremde Zell-Struktur erkennt.

  • T-Zellen können direkt gegen Erreger vorgehen. Jede einzelne der Milliarden T-Zellen im lymphatischen System trägt ein anderes Oberflächen-Molekül, das jeweils andere fremde Bakterien oder Viren erkennen kann. Auf diese Weise hält der Körper eine Vielzahl möglicher Abwehrkörper parat. Allerdings kann es eine Weile dauern, bis sich die zum Gegner passende T-Zelle findet und die ganz spezielle „Armee“ parat steht.

"Die T-Zelle dockt an diese dendritische Zelle an, und bekommt nun Signale, sich zu vervielfältigen. Wenn dann viele Tausend oder Millionen Zellen ausgebildet sind, wandern sie an den Ort der Infektion zurück, um dort die Erreger oder die erregerinfizierten Zellen zu töten. Oder sie wandern in die Lymphknoten, um dort B-Lymphozyten zu stimulieren, die dann große Mengen an Antikörpern produzieren, und zwar solche, die nur für dieses Bakterium spezifisch sind, dessen Material es in den Lymphknoten hineingeschafft hat."

Prof. Dr. rer. nat. Thomas Brocker

  • B-Zellen wandern ständig durch den Körper und können sich zu Plasmazellen weiterentwickeln, die Antikörper herstellen. Antikörper sind Eiweißmoleküle, die spezifisch für einen bestimmten Krankheitserreger wie beispielsweise Masern oder Hepatitis B sind. Sie binden die Krankheitserreger, machen sie unbeweglich oder kennzeichnen sie, sodass sie von Fresszellen leichter beseitigt werden können.

"Es werden tatsächlich die richtigen Zellen expandiert, das heißt, Zellen, die die richtigen Funktionen haben, um z. B. mit einer Hefepilzinfektion fertig zu werden. Oder Zellen, die die richtigen Funktionen tragen, um mit einer Virus- oder Bakterie-Infektion fertig zu werden."

Prof. Dr. rer. nat. Thomas Brocker


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