Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Das angeborene Immunsystem Kampf der weißen Blutkörperchen

Im Thymus, in der Milz und in zahlreichen Lymphknoten sowie im Knochenmark entwickeln sich die Zellen des Immunsystems. Hier reifen sie von Vorläuferzellen zu funktionellen Immunzellen heran. Sobald Gefahr in Verzug ist, werden sie aktiviert.

Von: Justina Schreiber

Stand: 28.08.2017

Zellvermittelte und humorale Immunantwort in der Grafik | Bild: picture-alliance/dpa-wissen-media-verlag

Überall lauern tödliche Feinde. Wir atmen Viren ein. Wir nehmen Hefepilze oder Parasiten beim Essen und Trinken auf. Wenn wir uns verletzen, dringen Bakterien in die Wunde. Ohne Immunsystem könnte kein Mensch überleben. Der raffiniert organisierte, anpassungsfähige Zellkomplex schützt uns sehr effizient.

Die erste Barriere: Haut, Schweiß und Tränen

Die Epidermis-Schichten der intakten Haut bilden eine erste, schwer durchdringbare Barriere. Ein schwach saurer Film, der antimikrobielle Substanzen enthält, erschwert es pathogenen Keimen wie z. B. Pilzen, sich anzusiedeln und zu vermehren. Auch Sekrete wie Tränen, Speichel und Schleim wirken antibakteriell. Schleimhäute, die die inneren Oberflächen von Organen wie Lunge oder Darm bilden, können mechanisch und chemisch reagieren. Die Magensäure etwa verätzt so manchen potenziellen Feind. Und die feinen Härchen in der Luftröhre befördern Eindringlinge wieder nach oben. Viele Störenfriede verlassen den Körper, ohne Schaden angerichtet zu haben.

Die zweite Barriere: das angeborene Immunsystem

Wenn ein Fremdstoff (Gifte, Viren und Bakterien) etwa über eine Wunde in die Blutbahn gelangt, reagiert das angeborene Immunsystem sofort und effizient. Sogenannte Wächterzellen stürzen sich auf den Erreger, um ihn zu neutralisieren. Diese auch Sentinels genannten Zellen sitzen in der Haut und den Schleimhäuten, also überall dort, wo wir mit der Außenwelt in Berührung kommen. Sie identifizieren die „bösen“ Keime: Sind es Rhinoviren, die einen Schnupfen auslösen, oder Pneumokokken, die zu einer Lungenentzündung führen können, oder vollkommen harmlose Partikel? Je nach Befund entwickelt sich in Blitzeseile eine eigens ausgestattete Armee.

Immunantwort = Entzündungsreaktion

Sogenannte Fresszellen (Makrophagen, Granulozyten oder Neutrophile) greifen die Erreger an, um sie zu neutralisieren. Gleichzeitig locken Botenstoffe weitere Zellen an den Herd der Infektion. Sie sorgen für eine stärkere Durchblutung des betroffenen Gewebes. Eine Entzündung, die oft als Rötung oder Schmerz wahrnehmbar wird, ist die Folge. Sie multipliziert die Immunreaktion und blockiert die Ausbreitung des „Feindes“. Diese Antwort des Körpers folgt einem festen genetischen Programm.

"Das angeborene Immunsystem ist immer da. Es ist immer fertig, es kann immer sofort zuschlagen. Und es kann bzw. wird dann auch, wenn es mit der Situation überfordert ist, das wesentlich komplexere erworbene Immunsystem alarmieren."

Prof. Dr. rer. nat. Thomas Brocker

Kampf der weißen Blutkörperchen

Die Zellen des angeborenen Immunsystems sind Bestandteile der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die sich im Fall einer Infektion stark vermehren. Sie werden durch Botenstoffe zu einer Entzündung gelockt und können auch durch Gewebe wandern. Wenn eine Wunde Eiter absondert, sind vor allem Granulozyten in großer Zahl aktiv.
Sogenannte dendritische Zellen verdauen ebenfalls Proteine und Zucker fremder Keime. Aber sie zerstören sie nicht vollständig. Denn ihre Aufgabe ist es, das erworbene Immunsystem über die Angreifer zu informieren, falls die Erstreaktion des angeborenen Immunsystems nicht ausreicht. Dazu brauchen sie Material.

"Die dendritischen Zellen präsentieren Bruchstücke des Angreifers auf ihrer Zelloberfläche und wandern aus den äußeren in tiefere Körperschichten, über die Lymphe z. B. in die Lymphknoten hinein. Dort zeigen sie die Bruchstücke dem (erworbenen) Immunsystem. Denn die Effektorzellen, die T- und die B-Zellen des erworbenen Immunsystems, dringen nicht in die äußeren Gewebsschichten vor. Sie sitzen in den Lymph- oder Blutbahnen und den Lymphknoten."

Prof. Dr. rer. nat. Thomas Brocker


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