Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Magengeschwür Auslöser: Ein Keim

Unter einem Magengeschwür verstehen Mediziner einen entzündlichen Durchbruch durch alle Magenwandschichten. Dabei kann es zu regelrechten Löchern kommen. Während man früher dafür vor allen Dingen eine „Übersäuerung des Magens““ oder Medikamente dafür verantwortlich gemacht hat, weiß man inzwischen, dass es auch andere Auslöser gibt. Im Fokus steht dabei ein Keim: das Stäbchenbakterium, lateinisch Helicobacter pylori.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 06.06.2016

Mikroskopische Aufnahme eines Helicobacter Pylori Bakteriums | Bild: imago/Science Photo Library

Dieser Keim kann die Magenschleimhaut so schädigen, dass Veränderungen (Erosionen) entstehen, entzündliche Magenpickel, kleine Flecken im Magen, an denen sich anschließend die Magenschleimhaut stark verändern kann. Dann besteht die Möglichkeit, dass diese Erosionen sich zu Geschwüren auswachsen. Das sind lochartige Durchdringungen der gesamten Magenwand.

Säureresistenz

Das Besondere am Helicobacterkeim: Er ist säureresistent. Lange vertraten Wissenschaftler die Auffassung, Magensäure sei so aggressiv, dass sie Bakterien im Magen abtöte. 1983 bewiesen jedoch zwei australische Wissenschaftler, Marshall und Warren, dass der der Keim im Magen überleben kann.

Wirkungsprinzip

Der Magen produziert eine Art Schutzfilm, der die Magenwand überzieht, ähnlich wie eine Creme die Haut. Diese Schicht schützt den Magen vor seiner eigenen Säure und auch vor ungesunden Nahrungsbestandteilen. Doch diesen Schutzfilm kann der Helicobacter durch seine Ausscheidungsprodukte zerstören - es entsteht ein Loch im Schleim. Die Folge: Nahrungsbestandteile können die Schleimhaut schädigen.

Krebsvorstufe 

Heute wissen Mediziner, dass Helicobacter-Geschwüre, die mit einer ständigen Entzündung verbunden sind, die Entstehung von Krebs (MALT-Lymphom) begünstigen. Deswegen hat die WHO mittlerweile den Helicobacterkeim als prä-canzeros eingestuft.

Rückgang in Europa

Doch die Wahrscheinlichkeit, sich in unseren Breitengraden den Keim zuzuziehen, ist heute eher gering. Denn der Helicobacterkeim braucht zur Verbreitung verschmutztes Grundwasser (z.B. durch Fäkalien) oder verdorbene Speisen, die nicht im Kühlschrank aufbewahrt wurden. Durch die Zuwanderung aus Entwicklungsländern kann der Keim hier aber wieder stärker auftreten.

Heliobacter-Therapie

Mit bestimmten Kombinationstherapien und Antibiotika kann der Keim aus dem Magen entfernt werden. Allerdings ist das nur eine Maßnahme gegen die Magenschleimhaut-Entzündung und die Geschwürentstehung. Reflux kann mit dieser Therapie nicht beseitig werden.

Geschwürbildung im Magen

Auch wenn der Keim hierzulande keine große Rolle mehr spielt, beobachten Mediziner dennoch häufig Patienten mit einer Geschwürbildung im Magen. Der Hintergrund:

"Viele ältere Menschen nehmen entzündungshemmende Rheuma-Medikamente, die eine schädigende Wirkung auf den Magen haben - die Anzahl dieser Patienten steigt. Wir müssen heute sogar feststellen, dass die Abnahme der Schäden durch den Keim fast wieder ausgeglichen ist."

Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Innere Medizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

Aspirin

Neben den Rheumamedikamenten kann auch Aspirin die Magenschleimhaut schädigen. Viele Patienten nehmen vorbeugend gegen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall das Medikament ein. Wer aber einen empfindlichen Magen hat, bei dem schädigt die Tablette die Schleimhaut dort, wo sie entlang rutscht. Das lässt sich in der Endoskopie ganz klar beobachten.

Nurses-Health-Studie

In den USA wurden viele tausend junge Frauen mit Aspirin behandelt, die daraufhin weniger Herzinfarkte und weniger Krebserkrankungen im Dickdarm entwickelten. Doch dann musste man feststellen, dass diese positiven Effekte durch Probleme an der Magenschleimhaut begleitet wurden.


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