Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Hashimoto Thyreoiditis Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse

Die Entzündung der Schilddrüse selbst führt nur in absoluten Ausnahmefällen zu Beschwerden und normalerweise wird sie heute durch erhöhte Antikörper (TPO-AK) im Blut nachgewiesen. Zur Abklärung ordnen Ärzte in der Regel eine genauere Diagnose an.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 07.02.2017

Drüsengewebe mit Kolloid Ablagerung Mikroaufnahme Vergrößerung | Bild: picture-alliance/dpa

Die Ursache der Hashimoto-Erkrankung liegt in einem „Irrtum“ des körpereigenen Abwehrsystems, das die Schilddrüse schädigt, was zu einer chronischen Entzündung führt. Letztlich verursacht die Krankheit eine Schilddrüsenunterfunktion, das heißt einen Mangel an Schilddrüsenhormon. Unklar ist, warum Frauen davon wesentlich häufiger betroffen sind als Männer.

Begriffsklärung

Dr. Hakaru Hashimoto, ca. 1912 | Bild: öffentlich

Benannt wurde die Erkrankung nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto (1881-1934), der sie Anfang des 20. Jahrhunderts als Erster beschrieb. Lange Zeit vertraten Ärzte die Auffassung, die Krankheit gehe vor allem mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einher. Inzwischen verwenden sie eine erweiterte Definition und verstehen unter der Hashimoto-Erkrankung unterschiedliche autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, alle können jedoch längerfristig und häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

"Manche Schilddrüsenerkrankungen gehen eher mit einer Vergrößerung der Schilddrüse einher, bei anderen tut sich an der Größe wenig und wieder andere können sogar zu einem Verlust von Schilddrüsengewebe beitragen. Das nennt man dann manchmal eine atrophe Form der autoimmunen Schilddrüsenerkrankung."

Prof. Dr. med. Felix Beuschlein, Bereichsleiter Schwerpunkt Endokrinologische Forschung und Endokrinologische Ambulanz der Medizinischen Klinik und Poliklinik des Klinikums der Universität München

Häufigste Autoimmunerkrankung

Hashimoto ist in Deutschland häufiger als z.B. Rheuma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Jugend-Diabetes (Typ 1) - warum das so ist, weiß man noch nicht. Bekannt ist jedoch: Frauen sind ca. sechs- bis siebenfach häufiger betroffen als Männer, und da die Krankheit in manchen Familien häufiger auftritt als in anderen, spricht man außerdem von einem genetischen Hintergrund.

Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer

Bei Kindern und Jugendlichen tritt die Hashimoto-Erkrankung meistens erst in der Pubertät auf, davor sehr selten. Mit zunehmendem Alter allerdings wird sie immer häufiger beobachtet, bei 30-jährigen ist Hashimoto bereits verbreitet.

Symptome

Die Symptome einer Hashimoto-Erkrankung sind unspezifisch. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Gewichtszunahme
  • geringe Belastbarkeit
  • Verstopfung
  • ständiges Frieren
  • schuppige Haut
  • Haarausfall

Deuten die Laborwerte auf eine Hashimoto-Erkrankung hin, verschwinden diese Symptome bei Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion.

Breites Spektrum

Hashimoto-Patienten können sehr unterschiedlich betroffen sein, manche haben zwar erhöhte Antikörper, doch im Ultraschall sieht ihre Schilddrüse normal aus und funktioniert ohne weiteres. Bei anderen Patienten hat die Schilddrüse ihre Funktion aufgegeben und es liegt eine klare Schilddrüsenunterfunktion vor. Dazwischen gibt es jede Menge Zwischenstufen.

Schmerzen

Eine Entzündung der Schilddrüse verursacht zu 99% keine Schmerzen, denn die Schilddrüse selbst hat - wie auch Leber und Niere - keine Schmerzrezeptoren. Vergrößert sich jedoch in absoluten Ausnahmefällen die Kapsel der Schilddrüse, dann kann es zu Schluckbeschwerden oder einem Druckgefühl kommen.


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