Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Grippaler Infekt Viren greifen Atemwege an

Generell nutzen Viren beschädigte Abwehrzellen in der Mund-, Nasen- oder Rachenschleimhaut, um dort anzudocken und so in den Körper zu gelangen. In Nase oder Mund kommen sie, weil man sich z.B. nach dem Anfassen einer Türklinke etwas in den Mund schiebt, ohne sich davor die Hände zu waschen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 09.01.2017

Grippe und Erkältung | Bild: picture-alliance/dpa

Als einfache Prophylaxe reicht es in dem Fall, sich öfter als sonst die Hände mit Seife zu waschen, Desinfektionsmittel ist dazu nicht nötig.

Wer ist besonders gefährdet?

Grippale Infekte kann jeder bekommen, zu jedem beliebigen Zeitpunkt - die Dichte der Viren in der Umgebung muss nur hoch genug sein. Besonders gefährdet sind z.B. Patienten mit einer akuten oder chronisch allergischen Entzündung, denn bei ihnen können die Viren besonders gut andocken und in den Körper gelangen. Allergiker und Asthmatiker tun sich generell schwerer, einen grippalen Infekt wieder los zu werden. Aber auch Patienten, die kürzlich operiert wurden, alte Menschen und Menschen mit z.B. rheumatischen oder Krebserkrankungen haben ein geschwächtes Abwehrsystem.

Schnupfen

Oft beginnt ein grippaler Infekt mit Schnupfen. In der Nase wird die Luft erwärmt, befeuchtet, gefiltert und fließt dort erstmal an den Abwehrzellen in der Nasenschleimhaut vorbei. Dort können Viren an Atemwegs- und Abwehrzellen andocken und in den Körper hineingelangen. Mediziner kennen heute mehr als dreihundert verschiedene Schnupfenviren, gegen die man keine nachhaltige Immunität entwickeln kann, auch da die Viren sich ständig verändern. Es erwischt einen also immer wieder.

Niesen

Aus evolutionsbiologischer Sicht ist Niesen – für die Viren! - sinnvoll, denn dabei können die sich verteilen. Mediziner allerdings wissen, dass man beim Niesen versucht, einen Fremdkörper wieder loszuwerden und auf Grund eines Reizes der Atemwege beschleunigt man den Vorgang so, dass Fremdkörper, also auch die Viren, mit maximal 200 km pro Stunde wieder durch die Nase oder durch die Mundöffnung herausfliegen.

Husten

Beim Gesunden ist der Bronchialschleim (rund 500 ml pro Tag) so dünnflüssig, dass man ihn gar nicht merkt. Um ihn los zu werden, räuspert man sich, schluckt ihn hinunter, oder er wird in der Lunge resorbiert. Wer einen grippalen Infekt hat, bei dem wird dieser Schleim dickflüssig oder er nimmt mengenmäßig zu. Husten ist eine Art Reinigungsprogramm, um diesen womöglich sogar eitrig gelblichen Bronchialschleim los zu werden, der manchmal wegen der Bakterienreste oder untergegangener Abwehrzellen auch richtig scheußlich schmecken kann.

"Ist der Schleim zu zäh und dickflüssig, z.B. weil zu viele Bakterien, Zellwände und abgestorbene Abwehrzellen darin sind, dann ist es sinnvoll, den Schleim zu lösen. Dieses gelingt durch Aufnahme von Flüssigkeit (z.B. Tee) und Inhalationen."

Dr. Adam Chaker, HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Halsschmerzen

Im Rachen kann sich die Schleimhaut an mehreren Stellen entzünden: im Bereich der Gaumenmandel (im Volksmund Mandeln genannt), der Zungengrundmandeln, der Rachenhinterwand und auch im Kehlkopfeingangsbereich. Bei Kindern gibt es noch zusätzlich die Rachenmandel hinter der Nase im oberen Anteil des Rachens, welche im Volksmund auch Polypen genannt werden. Überall dort, wo Abwehrsystem ist, kann bei einer viralen Entzündung eine Infektion auftreten. Bei einem banalen Infekt ist das unproblematisch, doch wenn zusätzlich auch noch Bakterien dort eindringen, kann es entweder zu einer schweren Mandelentzündung oder schlimmstenfalls zu einem Abszess führen.

Erkältete Kinder

Kinder brauchen die Auseinandersetzung mit Viren, damit ihr Immunsystem daran wächst - Kleinkinder machen durchschnittlich einen Infekt pro Monat durch. Kinder bekommen schneller Fieber als Erwachsene, haben aber wesentlich weniger Reserven. Deswegen müssen Eltern mit klarem Kopf entscheiden, ob ihr Kind einen harmlosen Infekt hat oder nicht und wann sie die Hilfe einer Kinderärztin brauchen. Angeraten ist das z.B. dann, wenn das Kind hohes Fieber und schwerste Ohrenschmerzen hat, ständig schreit und sich nicht beruhigen lässt.

Wenn zusätzlich Bakterien eine Rolle spielen

Gerade dann, wenn ein Patient durch einen grippalen Infekt – ausgelöst durch ein Virus – geschwächt ist, besteht die Gefahr, dass sich auch noch Bakterien, die überall vorhanden sind, auf die gereizte Schleimhaut setzen. Dann wird aus dem Virusinfekt ein bakterieller.


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