Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Frailty-Sydrom Gebrechlichkeit mit bestimmten Symptomen

Zunächst einmal ist Schwäche ein Zustand, den jeder Mensch kennt: Man fühlt sich ausgelaugt und ruhebedürftig. Doch ältere und sehr alte Menschen sind davon eher betroffen, denn im Laufe des Lebens nimmt der Funktionsverlust des Körpers zu. Deswegen fühlen sich viele zunehmend gebrechlich.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 16.10.2017

Frailty - Gebrechlichkeit im Alter | Bild: picture-alliance/dpa

Um diese Gebrechlichkeit mit einer Reihe von Symptomen, unterschiedlichen Erkrankungen und Zuständen besser fassen und abgrenzen zu können, haben geriatrische Wissenschaftler Anfang der 2000er Jahre den Begriff ‚Frailty‘ definiert - ein Syndrom, das typische altersbedingte Risikofaktoren zusammenfasst. Zeigt ein Patient Symptome von Frailty, dann ist das für Ärzte ein Hinweis, dass er sehr umsichtig behandelt werden muss. Er befindet sich in einer Art Teufelskreis, denn auf Grund verschiedener Krankheiten und Funktionsstörungen, wegen notwendiger Krankenhausaufenthalte oder der Einnahme vieler Medikamente, ist er zusätzlich gefährdet und hat ein hohes Risikoprofil. Das unterscheidet ihn von anderen Gleichaltrigen.

Fünf Parameter

Um den weiten Begriff der Altersgebrechlichkeit einzuengen und genauer abzugrenzen, haben Wissenschaftlicher fünf Kategorien für Frailty festgelegt:

  • Erschöpfbarkeit
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Muskuläre Schwäche
  • Langsamere Gehgeschwindigkeit
  • Niedrigere Alltagsaktivität

Jedes diese Symptome kann auf medizinische, psychische oder soziale Defizite hinweisen, hinter denen biologische Abbauprozesse oder konkrete Erkrankungen und Funktionsstörungen stecken.

"Wenn ein alter Mensch drei dieser fünf Symptome aufweist, sprechen Geriater von Frailty."

Prof. Dr. Klaus Timmer, Facharzt für Innere Medizin, Geriatrie und Notfallmedizin, Chefarzt und Ärztlicher Direktor an der Schlossklinik Rottenburg im Landshuter Kommunalunternehmen für medizinische Versorgung (LaKUMed).

Erschöpfbarkeit

Ist ein älterer oder alter Mensch schnell erschöpft, dann stecken sehr häufig eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Herzschwäche oder eine chronische Lungenerkrankung dahinter. Hier ist es die Aufgabe des Arztes, die entsprechende Therapie einzuleiten.

Ungewollter Gewichtsverlust

Nimmt ein alter Patient unwillentlich erheblich ab, kann dies vielerlei Gründe haben wie z.B. ein schadhaftes Gebiss oder eine schlecht sitzende Zahnprothese, Einschränkungen des Geschmackssinnes, Schluckstörungen oder Schwierigkeiten, das Haus zu verlassen, zum Zahnarzt oder auch zum Einkaufen zu gehen. Auch ein Tumor kann dazu führen, dass man ungewollt abnimmt.

Muskuläre Schwäche

Viele alte Menschen haben Schwierigkeiten, weil ihre Muskulatur sich abbaut. Um dem auf die Spur zu kommen, fragen Geriater z. B.: „Wie viele Stunden sind Sie im Vergleich zu früher noch außerhalb des Hauses unterwegs?“ Oder: „Wie anstrengend ist Treppensteigen für Sie?“ Denn wenn die Muskeln nachlassen, bewegen sich viele weniger. Muskelschwäche kann viele Ursachen haben, wie z.B. Fehlernährung, Aktivitätsverlust durch Schmerzen, Gelenkbeschwerden, Durchblutungsstörungen oder Nervenerkrankungen wie Parkinson.

Langsamere Gehgeschwindigkeit

Wer auffällig langsam geht, hat vielleicht einfach nur wenig Muskelmasse. Dahinter kann aber auch stecken, dass die koordinativen Fähigkeiten nachlassen. Denn oft ist die Übermittlung der Informationen des Nervensystems ans Gehirn nicht mehr so gut wie in jungen Jahren. Manche alten Menschen gehen auch deswegen langsamer, weil sie nicht mehr gut sehen, oder weil ihre Gelenke schmerzen. Kommt es dann zu einem Sturz, steigt die Angst, erneut zu stürzen. Kennzeichnend ist dann ein so genanntes protektives Gangbild.

"Vergleichbar ist das mit dem, wie wir uns in Straßenschuhen vorsichtig und in kleinen Schritten über eine Eisfläche tasten, dabei lassen wir die Füße möglichst lange am Boden und machen Ausgleichsbewegungen mit den Armen."

Prof. Dr. Klaus Timmer

Niedrigere Alltagsaktivität

Geht ein alter Mensch am liebsten gar nicht mehr aus dem Haus, kann möglicherweise eine Altersdepression die Ursache sein, die ihn dazu verleitet, sich in den eigenen vier Wänden zu verkriechen. Eventuell hat er aber auch einen nahen Angehörigen verloren, vielleicht den Partner, mit dem er viel gemeinsam unternommen hat und der jetzt fehlt. Und manche alten Menschen bleiben am liebsten deswegen zu Hause, weil der Freundeskreis immer kleiner geworden und das Senioren-Café nicht ihre Sache ist.


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