Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Frailty diagnostizieren Standartisierte Tests

Wenn Geriater messen wollen, wie langsam zum Beispiel die Gehgeschwindigkeit, oder wie ausgeprägt die muskuläre Schwäche eines alten Menschen ist, wenden sie normierte Tests an, die wissenschaftlich valide und operationalisiert sind. Bei manchen dieser Tests wie z.B. dem für die Muskelschwäche sind Zahlenwerte festgelegt, die man nach vierwöchigem Training überprüfen kann.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 16.10.2017

Ältere Dame macht mithilfe einer Geriaterin einen Test. | Bild: picture-alliance/dpa

Mit Hilfe des geriatrischen Assessments versuchen Geriater die etwas schwammigen Begriffe wie „nicht mehr so gut belastbar“ oder „langsamere Gehgeschwindigkeit“ zu operationalisieren, messbar und vergleichbar zu machen.

Timed „Up and Go“-Test

Um die Gehgeschwindigkeit zu messen, muss der Patient von einem Stuhl aufstehen und ohne fremde Hilfe drei Meter gehen, sich anschließend umdrehen und wieder auf den Stuhl setzen. Einen Stock oder Rollator darf er benutzen, die Herausforderung dabei ist:

  • Die Aufforderung überhaupt akustisch und kognitiv zu verstehen,
  • sich daraufhin zu bewegen,
  • Gleichgewicht und Balance zu halten.

Schafft der alte Mensch den Test in zehn Sekunden, dann sprechen Wissenschaftler von einer altersentsprechenden Ganggeschwindigkeit. Wer länger als dreißig Sekunden braucht, hat laut Definition eine erheblich eingeschränkte Gehfähigkeit.

"War ein Patient vor dem Test jedoch lange bettlägerig und bewältigt nach einer geriatrischen Rehabilitation diesen Test in dreißig Sekunden, dann kann das ein enormer Erfolg sein - ob er allerdings in dieser Geschwindigkeit auch bei grün über die Ampel kommt, ist eine andere Frage."

Prof. Dr. Klaus Timmer

Handgrip Test

Die muskuläre Schwäche misst man, indem man den Patient bittet, mit den Händen eine normierte Federwaage zusammenzudrücken. Je nachdem, wie viele Kilopond er dafür aufwendet, entspricht der Wert dann der durchschnittlichen, altersentsprechenden Muskelkraft oder nicht. Wer auf Grund eines Schlaganfalls gelähmt ist, kann den Test gar nicht durchführen.

Geriatrische Depressionsskala

Um Hinweise auf die emotionale Befindlichkeit des alten Menschen zu bekommen, nutzen Geriater den GDS-Test (Geriatric Depression Scale), bei dem sie dem Patienten fünfzehn Fragen stellen. Zum Beispiel:

  • Kommen Sie sich in Ihrem jetzigen Zustand ziemlich wertlos vor?
  • Fühlen Sie sich voller Energie?
  • Haben Sie viele Ihrer Aktivitäten und Interessen aufgegeben?
  • Bleiben Sie lieber zuhause, anstatt auszugehen und Neues zu unternehmen?
  • Sind Sie grundsätzlich mit Ihrem Leben zufrieden?

Erreicht ein Patient mehr als sechs Punkte, geht man von einer depressiven Verstimmung aus. Die endgültige Diagnose sollte dann der Facharzt stellen.

Minimental Status

Der sogenannte Minimental Status kann anhand von 30 Fragen und Aufgaben Hinweise darüber geben, in wie weit ein Patient zeitlich, örtlich und situativ orientiert ist und ob es Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Hirnleistungsstörung gibt.

Unterschiedliche Bereiche

Alles in allem können Mediziner mit Hilfe des geriatrischen Assessments Aussagen über die organische, soziale und psychische Verfasstheit eines Patienten machen. Das bio-psycho-soziale Modell eignet sich auch deswegen gut für alte Menschen, weil viele gleichzeitig diverse Krankheiten und Funktionsstörungen haben, die teilweise eng miteinander minimal verflochten sind – man sagt, sie sind multimorbid.

Männer und Frauen

Männer und Frauen sind nicht in gleichem Ausmaß von Frailty betroffen: Muskelschwäche, motorische Einbußen und Osteoporose trifft Frauen in einem früheren Alter. Doch je älter Männer werden, desto mehr gleichen sich beide Gruppen an.

"80 Prozent der über 80-Jährigen kommen ohne Fremdhilfe im Leben zurecht, ca. 15 bis 20 Prozent sind multifunktional beeinträchtigt."

Prof. Dr. Klaus Timmer


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