Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Thema Frailty

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Frailty bekämpfen Therapie und Prävention

Mit dem Alter tritt generell in allen körperlichen Bereichen ein Funktionsverlust ein. Zum Beispiel nimmt schon ab dem 40. Lebensjahr ganz langsam die maximale Sauerstoffaufnahme ab. Je älter man wird, desto größer ist das Risiko für so genannte Alterserkrankungen wie Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Demenz, Diabetes und Bluthochdruck. Lediglich rund fünf Prozent der über 65-Jährigen sind Schlaganfall-Patienten, und rund 80 Prozent sind 80 Jahre und älter.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 16.10.2017

Dame macht in einer Runde mit anderen auf einem Stuhl Übungen mithilfe eines grünen Plastikstabes, den sie sich hinter den Kopf hält. | Bild: picture-alliance/dpa

Den biologischen Abbau kann man zwar nicht aufhalten, aber verlangsamen. Zum Beispiel dadurch, dass man auch im Alter körperlich trainiert, sich bewegt und geistig aktiv bleibt. Dabei sind diejenigen im Vorteil, die bereits in jüngeren Jahren durch Training vermehrt Muskelmasse aufgebaut, ihr Gleichgewicht, ihre Koordination und ihr Gedächtnis geschult haben, denn deren Verlust beginnt auf einem höheren Level. Beim Herz-Kreislauf-System, der Lungen- und Herzfunktion verhält es sich ähnlich, aber auch hier kommt man um den Abbau im Alter nicht drum herum.

Sarkopenie

Der Begriff beschreibt den im Alter zunehmenden Verlust von Muskelkraft, Muskelmasse und -funktion im Alter. Dieser Verlust kann zur Gangunsicherheit führen und damit zum Sturz, und rund ein Drittel der über 65-jährigen ist davon betroffen. Die Verletzungen können erheblich sein, oft kommt es zu Hüftfrakturen, Wirbelbrüchen oder sogar zum Schädel-Hirn-Trauma. Sarkopenie ist ebenfalls eine Komponente von Frailty.

Muskelaufbau

Ist ein alter Mensch gestürzt, oder möchte dem vorbeugen, kann er ein gezieltes Muskeltraining machen.

"Es gibt wissenschaftliche Aussagen, dass z.B. das Training des großen Oberschenkel-Muskels nach einem bestimmten Schema und gezieltes Balance-Training dazu führen, dass Patienten nach so einem Training seltener stürzen als eine Vergleichsgruppe, die nur herkömmliche Senioren-Gymnastik macht." Prof. Dr. Klaus Timmer

Krafttraining

Um nachweislich die Kraft in den Oberschenkeln aufzubauen und so seltener zu stürzen, kann - wie im Fitnesscenter – das individuelle Maximalgewicht ermittelt werden. Das ist das Gewicht, das man in einer Beinpresse mit beiden Beinen mit Mühe und Not gerade noch wegdrücken kann. Im Training muss man dann 80 Prozent dieses Maximalgewichts zehn bis fünfzehnmal hintereinander wegdrücken – die Übung eignet sich auch für 80 bis 90-Jährige, die nachgewiesenermaßen an dieser Trainingsform großen Spaß entwickeln können.

Gleichgewicht und Koordination

Krafttraining für alte Menschen wird oft kombiniert mit Übungen zur Stärkung des Gleichgewichts und der Koordination. Hierzu können z.B. isometrische und balance-betonte Übungen wie bei Chi Gong oder Thai Chi durchgeführt werden.

Medikamente

Viele Krankheiten des alten Menschen werden mit Medikamenten behandelt. Dabei nimmt eine Reihe von alten Menschen mehr als zehn Präparate gleichzeitig. Das ist riskant, denn alle können gegenseitig in Wechselwirkung treten und sogar zu neuen Krankheiten führen. Greift ein Patient außerdem zum Beispiel zu Schlaftabletten (Benzodiazepinen), die die Muskelspannung herabsetzen, dann kann das die Sturzneigung steigern. Außerdem kommt es bei so vielen Arzneimitteln oft zu gravierenden Neben- und Wechselwirkungen.

Abwägen

Mediziner müssen also abwägen, welche Nebenwirkungen der Erkrankung kann man tolerieren? Wie wird die Lebensqualität beeinflusst? Welche Langzeitfolgen kann eine chronische Erkrankung bei einem 90-Jährigen haben – sind sie eventuell in Kauf zu nehmen? Und welche Rolle spielt es, wenn die Langzeitfolgen erst in zehn Jahren auftreten? Ziel einer altersgerechten Medizin muss es sein, die Medikamente so anzupassen, dass nur die verordnet werden, die notwendig sind und auf den Rest zu verzichten. So kann es beispielsweise vertretbar sein, bei einem 90-jährigen Patienten mit erhöhten Blutfettwerten auf die Gabe von fettsenkenden Tabletten zu verzichten, da man davon ausgehen kann, dass die Einnahme dieser Tabletten sein Leben nicht verbessert oder verlängert. Viele ältere Patienten nehmen mehrere blutdrucksenkende Medikamente ein. Auch hier ist nicht gesagt, dass eine Kombination verschiedener Blutdrucksenker auf Dauer notwendig ist. In allen diesen Fällen ist die enge Anbindung an einen gut ausgebildeten und erfahrenen Hausarzt nützlich und sinnvoll. Zudem ist festzustellen, dass speziell in Hinsicht auf medizin-wissenschaftliche Fragestellungen zu Hochbetagten der Forschungsbedarf in Deutschland nicht gedeckt werden kann, da kaum geriatrische Universitätslehrstühle existieren.


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