Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Hilfe bei Erkältung Therapie bei Grippe und Erkältungsviren

Generell kann man bei einer Erkältung Vorsorge treffen, dass nicht noch eine Bakterieninfektion dazu kommt. Gerade chronisch Kranke oder geschwächte Patienten sollten aufpassen und deswegen in der frühen Phase einer Erkältung die Schleimhäute davor schützen, dass sie nicht austrocknen, zum Beispiel durch Inhalieren.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 09.01.2017

Glas mit Zwiebelsud | Bild: picture-alliance/dpa

Eine virale Entzündung kann man nur begleiten, z.B. indem man zweimal am Tag mit Salbei oder Kamille gurgelt und die kleinen Nischen in den Mandeln reinigt, so dass dort dann in der Folge das Abwehrsystem seine Funktion wieder besser erfüllen kann. Bei einer schweren Entzündung reicht das nicht aus, dann kann man Entzündungshemmer wie Ibuprofen, Diclophenac oder Paracetamol nehmen. Ist der grippale Infekt nach zwei Tagen nicht deutlich besser, empfiehlt sich der Gang zum Arzt.

Schnupfen

Bei Schnupfen schwillt die Nasenschleimhaut an, deswegen verwenden viele Patienten abschwellend wirkende Nasensprays, so dass man in der Nacht durchschlafen kann. Idealerweise verschwinden mit Hilfe des Sprays auch Verstopfungen in den Nasennebenhöhlen.

"Abschwellende Nasensprays werden eher in Europa verwendet, die Amerikaner bevorzugen diese Wirkstoffe in Tablettenform, die allerdings mehr Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-Bereich zeigen können. Nimmt man abschwellende Nasensprays länger als fünf Tage, wird die Schleimhaut durch verschiedene Mechanismen davon abhängig."

Dr. Adam Chaker, HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Sinnvoll sind auch Nasenspülungen oder Nasenduschen und Inhalieren, z.B. mit Salbei oder Salzsole.

Therapie bei Halsweh

Lindenblütentee oder heißer Holundersaft mit Zitrone ist schweißtreibend, das kann bei Halsweh gut tun und ggf. Abhilfe schaffen. Ein anderes Hausmittel ist Gurgeln mit Salzwasser oder mit Salbeitee. Die Naturheilweisen raten zum Lutschen von Pastillen mit Isländisch Moos.

Hustentherapie

Bei den ersten Anzeichen von Husten kann man mit so genannten Kalt-Inhalatoren eine sterile Kochsalzlösung inhalieren, das fördert die Bildung von Schleim und macht ihn lockerer, so dass er sich leichter abhusten lässt. Außerdem kann man auch mit einer milden Salzlösung gurgeln und Lutschbonbons können den oberen Atmungstrakt befeuchten. Gegen trockenen, festsitzenden Husten können sie aber nicht helfen. Eine andere Möglichkeit ist noch, die Brust mit ätherischem Öl einzureiben

"Es gibt relativ wenige Studien, die eindeutig belegen, dass Inhalieren mit Pflanzenextrakten oder ätherischen Ölen mehr bringt als nur mit heißem Wasserdampf, aber man macht es, weil man ein gutes Gefühl dabei hat."

Dr. Ulf Riker, Internist, klassischer Homöopath und Arzt für Naturheilweisen

Kombipräparate gegen Erkältung

Die klinische Pharmakologie lehrt, Substanzen immer getrennt voneinander zu sich zu nehmen, damit man im Zweifelsfall auftretende Nebenwirkungen besser zuordnen kann. Das ist aber im praktischen Alltag für viele Menschen zu schwierig. Sie greifen bei Erkältung auf Kombinationspräparate zurück.

"Wer allerdings schon eine Vorerkrankung des Herz-Kreislauf-Systems oder der Niere hat, sollte sehr vorsichtig bei diesen Medikamenten sein, denn die können zu sehr gefährlichen Nebenwirkungen führen. Und man sollte wissen, dass Kombipräparate zwar rezeptfrei, aber trotzdem Medikamente sind."

Dr. Adam Chaker, HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Fieber

Fieber ist nicht per se gut und oder schlecht, es ist ein Nebeneffekt einer Entzündung. Und wenn es zu hoch (über 40 Grad bei ansonsten Gesunden) steigt, muss man es mit Hilfe von Medikamenten reduzieren. Bei Fieber ist körperliche Schonung auch in einem frühen Stadium sinnvoll.

"Die Naturheilweisen empfehlen bei beginnendem Fieber auch lauwarme bis kühle Wadenwickel. Wichtig dabei ist, die Beine müssen warm und gut durchblutet sein. Der Wickel soll Wärme ableiten, der Körper wird kühler und der Umschlag wärmer. Das kann dem Körper dabei helfen, sinnvoll mit dem Fieber umzugehen."

Dr. Ulf Riker, Internist, klassischer Homöopath und Arzt für Naturheilweisen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) stellt einen Zusammenhang her zwischen Füßen und Nasenbereich. Beide sind über den sogenannten Blasenmeridian miteinander verbunden. Weil kalte Füße oft reflektorisch für einen kalten Nasen- und Nasennebenhöhlenbereich sorgen, sind dort die Blutgefäße dann verengt, die Durchblutung ist schlecht, es sind wenige Abwehrzellen unterwegs. Wer in diesem Fall ein warmes Fußbad nimmt, das immer wärmer wird, so die TCM, der kann dafür sorgen, dass die Wärme von unten über den Blasenmeridian nach oben steigt. Dann werden reflektorisch die Schleimhäute im Hals-, Nasen- und Nasennebenhöhlenbereich erwärmt, die Durchblutung steigt und es sind mehr immunkompetente Zellen an Ort und Stelle, die möglicherweise den beginnenden Infekt abwehren können.

Homöopathie

Homöopathen fragen Patienten mit einem grippalen Infekt nach individuellen Symptomen: Ist der Husten trocken oder locker, ist Schleim dabei, was löst den Hustenreiz aus, ist die Hitze trocken oder tritt Fieberschweiß auf? Je nachdem entscheiden sie dann, welches Mittel sinnvoll ist. Genauso beim Schnupfen. Stimmt das Symptom-Mosaik, dann können Homöopathen bei der Influenzagrippe zum Beispiel Phosphor oder Eupatorium perfoliatum, manchmal auch Bryonia empfehlen.

Heiße Hühnerbrühe

Ein bekanntes Hausmittel gegen Erkältung ist heiße Hühnerbrühe aus Hühnerklein oder einem ganzen Huhn, gewürzt mit Knoblauch, Chili, Salz und Zitronengras. Warum das gegen eine Erkältung helfen kann, ist wissenschaftlich nicht geklärt, möglicherweise beeinflusst Hühnersuppe die Entzündungsreaktion des Körpers. Doch welche Inhaltsstoffe der Suppe das bewirken, ist unbekannt. Generell kann heiße Flüssigkeit jedoch die Schleimhäute zum Abschwellen bringen. Das Capsaicin aus Chili ist jedenfalls als Schleimlöser und Entzündungshemmer bekannt.

Influenzagrippe

DAS antivirale Grippemittel schlechthin gibt es nicht, deswegen sollten Patienten mit Influenzagrippe die Krankheit nicht bagatellisieren, sonst landen sie schließlich nach einer Woche schwerkrank in der Notfall-Ambulanz und müssen zum Beispiel wegen einer echten Lungenentzündung oder anderen Komplikationen behandelt werden.


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