Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Schutz vor Grippe Praktische Tipps

Erkältungs- und Influenzagrippeviren lieben warme Luft, denn die sorgt für trockene Nasen- und Rachenschleimhäute, dann haben Viren leichtes Spiel. Deswegen empfiehlt es sich, im Winter regelmäßig zu lüften und eventuell sogar einen Luftbefeuchter aufzustellen. Außerdem sollte man, wenn möglich täglich ins Freie gehen und vorbeugend leichten Sport (Spazierengehen, Walken, Fahrradfahren) machen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 09.01.2017

Grippe und Erkältung | Bild: picture-alliance/dpa

Generell kann man viel dafür tun, dass die Keime gar nicht erst in den Körper gelangen, und den Körper dabei unterstützen, mit der Infektion selbst fertig zu werden. Dazu zählen alle alt bekannten und oft genannten Maßnahmen wie gesunde Ernährung, viel Schlaf und hin und wieder Abhärtung.

"Es ist wissenschaftlich nicht erwiesen, dass mehr Vitamin C für das Abwehrsystem von Vorteil ist. Wer gerne Zitrusfrüchte isst und sie gut verträgt, kann das machen, denn Zitrusfrüchte enthalten viel mehr gesunde Stoffe als nur Vitamin C. Aber Vitamin C pur, das ist out."

Dr. Adam Chaker, HNO-Facharzt am Klinikum rechts der Isar in München

Vorbeugen gegen Schnupfen

Mit Hilfe einer Chi-Gong-Übung soll man dem Schnupfen vorbeugen können, dabei reibt man mit dem Zeigefinger seitlich weg von der Nase. Die Übung sollte man regelmäßig machen. Auch Nasenspülungen mit mildem Salzwasser können hilfreich sein, dabei gibt man 9g Kochsalz auf einen Liter Wasser, das entspricht in etwa der Salzkonzentration in der menschlichen Zelle. Solche Salzspülungen gibt es auch abgepackt zu kaufen, empfehlen Apotheker.

Husten und Halsweh

Auch Mund und Rachen kann man vorbeugend feucht halten, z.B. Eukalyptus- oder Salbei-Bonbons lutschen, und dafür sorgen, dass die Schleimhäute vor dem Austrocknen geschützt werden.

Kneipp‘sche Anwendungen

Zu diesem Gefäß- und Immuntraining zählen z.B. wechselnd warme und kalte Wassergüsse. Dabei soll der Körper trainiert werden, als Reflex auf Kältereize die Durchblutung gerade auch im Bereich der Schleimhäute zu verbessern und damit auch mehr immunkompetente Abwehrzellen an die Schleimhautoberfläche zu transportieren.

Immunstärkende Mittel

Viele Patienten schwören auf Zink oder Echinacin, auch wenn die Wirksamkeit wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist.

"Wer eine Erkältung befürchtet, kann im Vorfeld drei, vier Tage lang hoch dosierte Echinacin-Präparate (Sonnenhut) nehmen, um zu versuchen, die eigene Immunität unspezifisch hochzufahren. Das sollte man aber nur zeitlich begrenzt machen, denn dabei sind allergische Reaktionen möglich. Ich würde mich darauf aber nie allein verlassen."

Dr. Ulf Riker, Internist, klassischer Homöopath und Arzt für Naturheilweisen

Schwitzen

Steigt das erste Frösteln am Rücken hoch, und man hat bereits ein paar Mal geniest, kann man ein warmes Bad nehmen, bei dem man immer wieder heißes Wasser dazu laufen lässt. Wer dabei auch noch heißen Lindenblüten- oder Holundertee trinkt, und nach dem Bad gut zugedeckt im Bett schwitzt, kann so manchmal einer Erkältung vorbeugen.

Pro und contra: Injektion von Eigenblut

Manche Patienten lassen sich fünf bis sechsmal im Abstand von zwei bis drei Wochen wenige Milliliter Blut aus der Vene nehmen, die ihnen dann wieder in den Po zurück gespritzt wird.

"Das klingt erstmal völlig banal, scheint aber ein immunmodulatorischer Reiz für das gesamte Immunsystem zu sein, die Patienten kommen oftmals gut über den Winter. Warum das allerdings so ist, kann man nicht erklären."

Dr. Ulf Riker, Internist, klassischer Homöopath und Arzt für Naturheilweisen

Die Schulmedizin hält allerdings dagegen:

"Eigenbluttherapien haben keinerlei wissenschaftlich belegten Nutzen, kosten viel Geld und bringen immer ein Infektionsrisiko mit sich. Wenn die naturheilkundlich tätigen Kollegen eine adäquat durchgeführte prospektive, doppelblind-placebokontrollierte Studie publizieren würden, kann man über diese Maßnahme gerne diskutieren."

Dr. Adam Chaker vom Klinikum rechts der Isar

Impfen gegen Influenzagrippe

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt Menschen über 60 Jahren, sich gegen die Influenzagrippe impfen zu lassen, denn ihr Risiko, dass das Immunsystem in die Knie geht, ist tendenziell größer als bei Jüngeren. Zu den Risikopatienten zählen auch:

  • Schwangere nach der 13. Schwangerschaftswoche
  • chronisch Kranke
  • medizinisches Personal
  • Menschen mit beruflich erhöhtem Ansteckungsrisiko, die z.B. auf Ämtern mit Publikum zu tun haben.

Vorbeugen gegen Influenzagrippe

Im Wesentlichen kann man einer Influenzagrippe nicht vorbeugen. Wer nicht geimpft ist und Kontakt mit Kranken hat, bei dem kommt es auf das körpereigene Immunsystem an, ob er sich ansteckt oder nicht. Generell kann man genauso wie beim grippalen Infekt darauf achten, öfter als sonst die Hände mit Seife zu waschen. Wer in Bahn und Bus unterwegs ist, sollte sich abwenden, um nicht angeniest oder angehustet zu werden.

Risikopatienten

Gefährdet sind alle Patienten mit einer chronischen Erkrankung, die etwas mit dem Abwehrsystem zu tun hat: Zum Beispiel Patienten mit chronischer Sinusitis oder Asthma, genauso wie Patienten, die auf Grund einer rheumatischen Erkrankung langfristig Immunmodulatoren nehmen müssen oder die wegen einer anderen Erkrankung immunsupprimiert (unterdrückt) sind. Schließlich sind all diejenigen Risikopatienten, die transplantiert sind oder eine zystische Fibrose haben.


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