Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Diagnose von Epilepsie Wann ist es Epilepsie, wann nicht?

Dass jemand umfällt und dabei zuckt, kann viele Gründe haben. Nicht alles, was mit Bewusstseinsverlust und Zuckungen einhergeht ist zwangsläufig eine Epilepsie. Deshalb ist eine eindeutige Diagnose wichtig - und richtiges Handeln, wenn der Anfall auftritt.

Von: Holger Kiesel

Stand: 03.08.2016

Person liegt bewußtlos am Boden | Bild: colourbox.com

Abgrenzung zu anderen Erkrankungen

Es ist wichtig, epileptische Anfälle gegenüber Ohnmachten abzugrenzen, die als Folge von Herz-Kreislauf-Krankheiten auftreten. "Nicht jeder, der während einer Ohnmacht zuckt, ist deswegen gleich Epileptiker", so Prof. Noachtar: "Es werden relativ häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen fälschlicherweise für Epilepsien gehalten." Auch bei psychisch bedingten Anfällen kommt es häufiger zu Verwechslungen.

Das EEG als Diagnosemittel

Hirnstrommessung wird medizinisch als Elektroenzephalografie (EEG) bezeichnet. Nicht alle Epileptiker zeigen bei der Hirnstrommessung zu allen Zeitpunkten Auffälligkeiten. Wiederholt man das EEG allerdings häufiger, beziehungsweise verlängert man die Messung, steigt die Chance, einen krankhaften Befund aufzuzeichnen. Besonders effektiv ist die Hirnstrommessung im Schlaf. Hier sind häufiger Veränderungen erkennbar, obwohl dem Patienten selbst nichts anzusehen ist. Mit Hilfe des EEG können auch Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit eines Anfallsrückfalls gezogen werden.

Vorzeichen eines epileptischen Anfalls

Hirnstrommessung wird medizinisch als Elektroenzephalografie (EEG) bezeichnet.

Welche Vorzeichen es für einen Anfall gibt, hängt von der Lage der erregten Hirnregion ab. Der Kranke selbst empfindet die sogenannte Aura, als eine Art Vorgefühl. "Häufig ist beispielsweise die epigastrische Aura", beschreibt der Neurologe: "Ein komisches, unbestimmtes Gefühl in der Magengegend. Manche schildern Übelkeit, andere ein Gefühl wie Hunger oder wie die Fahrt in einem zu schnellen Aufzug. Diese Form der Aura ist typisch für Schläfenlappen-Epilepsien." Die Aura selbst ist medizinisch bereits Teil des Anfalls.

Tipp: Hilfe während des epileptischen Anfalls:

Als Außenstehender sollte man während eines Anfalls bei dem Betroffenen bleiben und versuchen, ihn vor Gefahrensituationen und Verletzungen zu schützen.

Wichtig: Den Betroffenen möglichst nicht festhalten! Das könnte leicht zu Gegenwehr führen. Lieber ansprechen und ablenken!

Erste Hilfe

Fällt ein Epileptiker hin, sollte man ihn in die stabile Seitenlage bringen, damit Speichel oder Blut nicht in die Luftröhre fließen können!

Gefährliche Situationen vermeiden

Epileptiker sollten unbedingt Situationen vermeiden, die im Falle eines Anfalls lebensbedrohlich werden könnten beziehungsweise sollten sie zumindest in Begleitung sein (beispielsweise beim Schwimmen). Fahrradfahren im Straßenverkehr oder das Steuern eines Autos sind für Epileptiker, die nicht anfallsfrei sind, verboten.

"Auch wenn ein Betroffener durch Medikamente anfallsfrei ist, muss unbedingt gewährleistet sein, dass er seine Tabletten regelmäßig nimmt, damit er, nach Rücksprache mit einem Spezialisten, wieder ein Fahrzeug steuern darf."

Prof. Noachtar.


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