Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapiemöglichkeiten Wie man eine Kinderdepression behandeln kann

Eine depressive Episode sollte in jedem Fall behandelt werden. Die Dauer der Episoden ist unterschiedlich, von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten.

Von: Monika Dollinger

Stand: 21.06.2016

Therapeutin tröstet Patienten | Bild: colourbox.com

Zwischen den Episoden gibt es längere Intervalle, in denen die Symptome kaum, manchmal gar nicht auftreten. Gerade in diesen Intervallen ist eine Behandlungsmotivation meist gering.

Behandlungsleitlinie

Kürzlich wurde eine aktuelle Behandlungsleitlinie veröffentlicht, in der alle wichtigen Strategien der Behandlung auf der Basis der aktuellen Forschung für Kinder und Jugendliche mit einer depressiven Episode zusammengestellt wurden:

Kinder in die kinder- und jugendpsychiatrische Klinik?

Abhängig vom Schweregrad der Störung ist eine ambulante, stationäre oder teilstationäre Behandlung zu überlegen. Hier kann zunächst ein beobachtendes Zuwarten ausreichend sein. Besteht die Symptomatik länger als zwei Wochen oder nimmt zu, sollte mit einer ambulanten Behandlung begonnen werden.

  • Leichte depressive Episoden werden überwiegend ambulant, z.B. bei einem niedergelassenen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater behandelt.
  • Bei mittelschwerer oder schwerer Ausprägung ist eine stationäre Behandlung zu empfehlen. Vor allem wenn lebensmüde Gedanken vorliegen und Kinder bereits Pläne haben, wie sie diese Gedanken umsetzen, ist zum Schutz des Kindes eine geschützte Behandlung in einer Klinik notwendig.

Wie Kinder therapiert werden

Im Vordergrund der Behandlung steht die Psychotherapie, die sowohl einzeln und in Gruppen angeboten wird. Auf der Basis einer tragfähigen Therapeut-Patient-Beziehung geht es um die Stärkung eigener Ressourcen. Damit sollen soziale Kompetenzen wiedererlangt, das destruktive und meist eingeengte Denken verändert und vor allem die Stimmung verbessert werden.

Auch die Eltern

Bei jüngeren Kindern ist ein wichtiger Baustein die Einbindung der Eltern in die Behandlung. Die Entlastung von Schuldgefühlen, die oft belastende Gefühle der Eltern sind, die Entwicklung einer veränderten intrafamiliären Kommunikation mit Stärkung der positiven Affekte sind Bausteine der Elternarbeit.

Medikamente - Nur bei schweren Formen Antidepressiva

Bei Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerer oder schwerer Depression können Medikamente sehr hilfreich sein. Es besteht jedoch das Problem, dass viele Medikamente für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen sind, also keine ausreichende Anzahl von Studien vorliegen, die die Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung zeigen.

"Für sogenannte Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ist ein Medikament, Fluoxetin, zur Behandlung bei Kindern und Jugendlichen zugelassen. Die vorliegenden Studien zeigen eine gute Wirksamkeit, die Kombination aus Psychotherapie (Verhaltenstherapie) und Medikament ist besonders zu empfehlen."

Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München

Das psychosoziale Umfeld nicht vergessen!

Stress in der Schule oder mit Gleichaltrigen kann oft ein Auslöser einer depressiven Episode sein. Daher sollte die Schule und die „Peer-Gruppe“ in die Behandlungsplanung mit einbezogen werden. Oft werden Kinder und Jugendliche in der Schule übersehen, da sie eher still und zurückgezogen sind. Aufklärung der Lehrkräfte und eine unterstützende Lehrer-Schüler-Beziehung kann helfen, dass die psychotherapeutische Behandlung besser gelingt.

Wichtig: Beziehung aufbauen und halten

"Wichtig für den Behandlungserfolg ist der Beziehungsaufbau. Da Kinder und vor allem Jugendliche mit einer Depression sich selbst oft gar nicht als krank erleben, sondern eher als Versager, ist es wichtig, mit ihnen gemeinsam eine Perspektive zu erarbeiten. Ihnen fehlt oft die Kraft, vor sich liegende Aufgaben anzugehen oder die Hoffnung zu haben, dass sich etwas bessern könnte. Deshalb ist ein konstantes Angebot, auch wenn Rückschritte in Behandlung auftreten, das Mut macht und Hoffnung gibt, für die Entwicklung dieser Kinder und Jugendlichen sehr wichtig."

Prof. Schulte-Körne, Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Strukturierung des Alltags als Rahmen, um sich aufzurichten

Depressive Kinder und Jugendliche brauchen nicht selten eine klare und transparente Tagesstruktur, die ihnen hilft, die vor ihnen liegenden Aufgaben anzugehen und zu meistern.

Erfolge aufzeigen: "Du kannst es doch!"

"Eltern und Lehrer sollen auf Erfolge der Kinder hinweisen. So helfen sie, die negative Sichtweise zu verändern, indem sie von außen eine andere Sichtweise aufzeigen, die deutlich signalisiert: Ich sehe aber etwas Positives! Positive Signale setzen können alle: Eltern, Nachbarn, Freunde, aber auch die Lehrer!"

Prof. Gerd Schulte-Körne

Allerdings darf man nicht erwarten, dass diese Perspektive gleich übernommen wird. Nicht selten sind Eltern und Lehrer enttäuscht, dass trotz guten Zuredens sich nichts verändert. Dies erklärt sich durch die psychische Erkrankung, die es den Kindern und Jugendlichen erschwert, Perspektiven der Anderen zu übernehmen. Es ist daher ein wichtiges therapeutisches Ziel, den Kindern und Jugendlichen es zu ermöglichen, eine eigene positive Zukunftsperspektive zu entwickeln.


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