Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Symptome Wie man eine Kinderdepression erkennt

Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Während sie bei Säuglingen und Kleinkindern sehr selten auftritt, leiden Kinder im Vor- und Grundschulalter schon öfter an einer Depression.

Von: Monika Dollinger

Stand: 21.06.2016

Trauriges Mädchen legt den Kopf auf die Knie | Bild: Image Source

Ab der Pubertät steigt die Häufigkeit deutlich an. Eine Depression bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen, ist für die Eltern oft schwierig, weil die Jugendlichen zunehmend weniger über ihre Stimmung, Emotionen und Erlebnisse mit den Eltern sprechen.

Von leicht bis schwer - Depressionsgrade

"Depressive Kinder entwickeln im Verlauf der Störung immer weniger Antrieb. Ihre Stimmung ist gedrückt und sie entwickeln Angst vor neuen Aufgaben und der Zukunft. Sie ziehen sich von den Freunden zurück und bleiben oft zu Hause. Eine leichte Verstimmung kommt bei jedem Menschen gelegentlich vor. Kennzeichen einer behandlungsbedürftigen Depression ist, dass sie länger, mindestens zwei Wochen, anhält. Die Depression verläuft in Episoden unterschiedlicher Länge. Anhand der Komplexität der Probleme und Beeinträchtigung der Teilhabe der Kinder am Alltagsleben wird eine Schweregradeinteilung depressiver Störungen vorgenommen."

Prof. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München

Kinder jeden Alters können Depression bekommen.

Vorschulalter

Auch Vorschulkinder können bereits eine Depression entwickeln, die schwer zu diagnostizieren ist.

"Wenn ein Kind in diesem Alter ohne einen aktuellen Anlass länger traurig ist, sehr oft die körperliche Nähe zur Mutter sucht und sich nicht trennen kann, Phasen der Antriebslosigkeit hat, dann ist auch an eine depressive Episode bei diesem Kind zu denken."

Prof. Schulte-Körne, Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Für die Diagnostik ist wichtig, das Kind über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Beispiel:

Hinweis für eine depressive Entwicklung kann sein, dass das Kind im Kindergarten nicht mehr spielen möchte, sich in eine Ecke zurückzieht, an den Gruppenaktivitäten nicht mehr teilnimmt und zudem über Kopf- und Bauchweh oder andere körperliche Beschwerden klagt. Durch die ärztliche Untersuchung wird klar, ob diese körperlichen Beschwerden tatsächlich Ausdruck einer körperlichen Erkrankung, oder ein Hinweis auf eine Depression sind.

Schulalter

Eine Depression bei Schulkindern tritt selten plötzlich auf, meist ist der Verlauf schleichend. Das Nachlassen der Schulleistungen, das Absinken der Noten sowie Rückzugsverhalten und eine zunehmende Teilnahmslosigkeit sind Hinweise für eine depressive Entwicklung. Auch im äußeren Erscheinungsbild verändern sich die Kinder.

Veränderung des Erscheinungsbilds:

  • Die Gestik ist weniger ausdrucksvoll,
  • der Gesichtsausdruck ist manchmal wie erstarrt, und
  • die Körperhaltung (z.B. hängende Schultern) drücken die gedrückte Stimmung in dieser Weise aus.

Im Gegensatz zu den Vorschulkindern können Eltern ihr Schulkind gezielt fragen, wie sie sich fühlen. Das bedeutet aber nicht, dass diese Fragen immer eine Gewissheit über das Vorliegen einer Depression geben.

"Obwohl bereits Grundschüler aufgrund ihrer Fähigkeiten in der Lage sind, über ihre Gefühle und ihr Erleben zu berichten, ist es für sie oft schwierig, über Traurigkeit und andere negative Gefühle zu sprechen."

Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München

Jugendliche

Mit dem Eintreten der Pubertät nimmt die Häufigkeit der Depression zu, insbesondere bei Mädchen.

"Wir beobachten in den letzten Jahren eine Zunahme von leichteren Formen depressiver Störungen."

Prof. Schulte-Körne, Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Die Gründe hierfür sind unterschiedlich

  • Gesellschaftliche Anforderungen an die Autonomieentwicklung junger Frauen, die zu früh kommen und nicht selten diese Mädchen überfordern.
  • Hormonelle Faktoren
  • Schulische Belastungen (weniger im Bereich der Leistungsanforderungen, aber z.B. Mobbing, Cybermobbing)


Die Symptome der Depression bei Jugendlichen und im jungen Erwachsenenalter sind ähnlich: Lebensmüde Gedanken treten häufiger auf, vereinzelt ist die depressive Erkrankung auch der Hintergrund für einen Suizidversuch.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Jungen und Männer versuchen Stimmungstiefs eher zu verstecken als Mädchen. Deshalb verhalten sich depressive Jungen manchmal anders als die Mädchen.

"Während Mädchen sich häufig zurückziehen, verwickeln sich depressive Jungen in Streitereien, beschädigen Gegenstände, fallen auf. Bei diesen Verhaltensmustern denken viele Eltern und Lehrer anfangs nicht an eine Depression. Dabei ist die Grundstimmung bei den Jungen ähnlich wie bei den Mädchen: Sie sehen für sich keine Zukunftsperspektive, fühlen sich wertlos und haben kein Selbstvertrauen."

Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München

Depression = Unaufmerksamkeit?

"Bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) tritt nicht selten auch eine gedrückte Stimmung auf, ein vermindertes Selbstwertgefühl verbunden mit einer negativen Zukunftserwartung. Auch bei depressiven Kindern ist die Aufmerksamkeit häufig beeinträchtigt. Es handelt sich aber um zwei verschiedene Störungsbilder, die auch unterschiedlich behandelt werden. Tritt aber bei einer Depression zusätzlich ein ADHS auf, müssen beide Störungen entsprechend den kinder- und jugendpsychiatrischen Leitlinien behandelt werden."

Prof. Schulte-Körne, Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie


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