Bayern 2 - Gesundheitsgespräch

Hintergrund Kinderdepression

10

Prävention Depression erkennen und verhindern

Die Folgen der Depression für die Kinder und Jugendlichen sind vielfältig. Oft geht die Störung mit schulischen Problemen einher.

Von: Monika Dollinger

Stand: 21.06.2016

Niedergeschlagener Junge | Bild: colourbox.com

Die Kinder mit einer Depression erreichen häufig einen niedrigen Schulabschluss, haben ein erhöhtes Risiko, weitere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Daher ist es wichtig, möglichst frühzeitig eine depressive Entwicklung zu erkennen.

Aktuelle Studie: Früherkennung

Im Rahmen von Studien am Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der LMU München wurden mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit zwei Verfahren entwickelt, die es dem niedergelassen Hausarzt und Kinderarzt ermöglichen, depressive Entwicklung frühzeitig zu erkennen.

Es sind der sogenannte CHILD-S und der DesTeen. Dabei handelt es sich um  kurze Fragebögen, die es erlauben, eine erste Einschätzung vorzunehmen, ob eine depressive Episode vorliegt oder nicht. Der Child-S hat nur acht Fragen ist für Kinder von 9-12 Jahren geeignet, der DesTeen beinhaltet 14 Fragen für Kinder zwischen 13 und 16 Jahren.

Für Interessierte:

Interessierte Praktiker können die beiden Screeninginstrumente kostenlos über die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie per Mail an das Forschungssekretariat (Frau Rupprecht) anfordern: Rita.Rupprecht@med.uni-muenchen.de .

Frühe Hilfe von Freunden

Um der Stigmatisierung psychischer Erkrankung zu begegnen und insbesondere über depressive Störungen aufzuklären, wurde in einem Modellprojekt in München und in den angrenzenden Landkreise in Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien untersucht, wie man durch Information die Schwelle für Jugendliche erniedrigen kann, sich bei einer drohenden depressiven Entwicklung Hilfe zu suchen und wie kann man sich gegenseitig stärkt.

Broschüre "Paul ganz unten"

Anhand der für das Jugendalter ansprechenden Broschüre „Paul ganz unten“ wird eine Geschichte von Jugendlichen erzählt, die bereits depressiv erkrankt waren und aktuell sind. Die Geschichte spielt in einer größeren Gruppe von Jugendlichen und zeigt Wege auf, wie Jugendliche die Erkrankung erleben, wie die Umwelt darauf reagiert und wie professionelle Hilfe aussieht. “Paul ganz unten“ wurde an über 600 Neuntklässlern aus Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien in München Stadt und Land mit Unterstützung von Gesund.Leben.Bayern evaluiert. Schülerinnen und Schüler aller Schulformen konnten von der Broschüre profitieren und ihr Wissen zu Depression signifikant steigern. Dieser Effekt war auch einen Monat später noch nachweisbar. Außerdem wurde die Broschüre von den Schülern sehr gut angenommen und als hilfreich eingeschätzt, um sich mit dem Thema Depression besser auszukennen. Die Aufklärungsbroschüre kann somit einen Beitrag dazu leisten, Hürden auf dem Weg in eine Behandlung abzubauen und Stigmata gegenüber Betroffenen zu verringern.
Da die Broschüre nachgewiesenermaßen wirksam ist in der Wissensvermittlung und eine hohe Akzeptanz in der Zielgruppe besitzt, ist eine Verbreitung in den weiterführenden Schulen Bayerns wünschenswert.

Hilfe für Familien - PRODO

PRODO ist ein familienbasiertes Präventionsprogramm zur Reduktion des Erkrankungsrisikos für eine depressive Störung und zur Verbesserung von psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Einer der wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten einer depressiven Störung ist das Vorliegen einer depressiven Störung eines Elternteils. Kinder und Jugendliche, bei denen mindestens ein Elternteil an einer depressiven Störung erkrankt ist, weisen ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko auf, selbst an einer depressiven Störung zu erkranken - gegenüber Kindern und Jugendlichen, deren Eltern nicht depressiv sind.

Zwölf Sitzungen à 90 Minuten

Das Programm ist für vier bis fünf Familien gestaltet und besteht aus zwölf Sitzungen, die jeweils 90 Minuten dauern. An manchen Sitzungen nehmen Eltern und Kinder zusammen teil, während andere getrennt durchgeführt werden. Hauptbestandteile des Programms sind Edukation über Depression, Verbesserung der Bewältigungsstrategien des Kindes und Verbesserung der Erziehungsfähigkeiten des Elternteils.

Probanden gesucht!

Mit Unterstützung von Gesund.Leben.Bayern wird das Präventionsprogramm hinsichtlich seiner Wirksamkeit untersucht. PRODO richtet sich an Familien mit mindestens einem Elternteil, der an einer depressiven Episode erkrankt ist (oder war, seit Geburt des Kindes). Die teilnehmenden Kinder sollten zwischen 8 und 17 Jahre alt und weder aktuell noch jemals an einer depressiven Störung erkrankt oder deswegen in Behandlung gewesen sein. Die PRODO-Studie wird von Hape Kerkeling unterstützt.


10