Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Die Rolle der Schule Hilfe für die Eltern und das Kind

Für Eltern ist es oftmals nicht einfach, mit ihrem depressiven Kind ins Gespräch zu kommen. Mit dem Alter kann sich dieses Problem verstärken.

Von: Monika Dollinger

Stand: 21.06.2016

Leher mit junger Frau | Bild: Getty Images

"Die Pubertät ist auch dadurch gekennzeichnet, dass Jugendliche sich von den Eltern lösen und abgrenzen. Deshalb ist es manchmal für Menschen außerhalb der Familie, wie etwa Lehrer oder Ärzte, leichter, einen Zugang zu dem Jugendlichen zu bekommen."

Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München

Tipp:

Ein Gespräch der Eltern mit den Lehrern kann deshalb nicht nur die schulische Situation verbessern helfen, sondern auch das Verhalten des Jugendlichen für die Eltern transparenter zu machen.

Wichtig: Lob und Anerkennung durch die Lehrkräfte

... auch und gerade, wenn die schulischen Leistungen nachgelassen haben.

"Lehrer sind hier gefordert, auch kleine Erfolge zu loben, das heißt nicht, dass alles schön geredet werden muss. Entscheidend ist, einen Schüler gerade auch dann anzusprechen und aufzurufen, wenn er sich nicht mehr meldet."

Prof. Schulte-Körne, Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie

Schulpsychologen können helfen

Wenn die Beteiligung im Unterricht zurückgeht, vielleicht auch die Noten schlechter werden, das Kind traurig ist und wenig Kontakt zu den Mitschülern hat, sollte auch der schulpsychologische Dienst eingeschaltet werden.

Wichtig:

Für das betroffene Kind ist es wichtig zu erfahren: Du bist nicht dumm! Du bist auch nicht faul! Das ist nämlich ein typisches Erklärungsmuster, wenn die Noten absacken.

"Gegenüber einem depressiven Schüler ist das aber völlig falsch! Denn bei schweren Depressionen kann die kognitive Leistungsfähigkeit zeitweise beeinträchtigt sein, weil das Denkvermögen so eingeengt ist und sozusagen die individuellen Ressourcen erschöpft sind. Daher steht im Vordergrund, die Wege zu bereiten, dass dem Jugendlichen fachärztliche bzw. psychotherapeutische Hilfen angeboten werden."

Prof. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München

Hilfe für Eltern

Im Einzelfall ist das Leben mit einem depressiven Kind oder Jugendlichen für die Eltern schwer auszuhalten. Es kostet viel Kraft und Nerven, immer wieder Geduld zu haben, Mut zu machen, aufzubauen, positive gegen negative Gedanken zu setzen, ungezählte Versuche zu unternehmen, Apathie und Antriebslosigkeit aufzubrechen.

"Um mit dieser Problematik fertig zu werden, sollten Eltern entlastet werden, indem ihnen Unterstützung angeboten wird, zum Beispiel im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung des Kindes. Zusätzlich kann durch Besuch einer Elterngruppe Entlastung geschaffen werden, da Eltern erleben, wie es anderen Eltern geht und sehen, dass sie nicht allein mit ihrem Problem sind. Auch bietet dieses therapeutische Angebot den Eltern die Möglichkeit, Strategien zu lernen, wie sie ihr Kind zu Hause unterstützen können."

Prof. Gerd Schulte-Körne


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