Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Zu Hause bleiben trotz Demenz Hilfen im Alltag

Sogenannte niederschwellige Leistungen sollen Menschen mit Demenz dabei unterstützen, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben - das liegt fast allen am Herzen. Doch wer dement ist und zu Hause leben möchte, braucht Unterstützung – in der Regel ist die vor allem am Anfang unbürokratisch erreichbar.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 20.09.2017

Hände einer demenzkranken Frau | Bild: picture-alliance/dpa

Das jedenfalls legt das Pflegegesetz (Sozialgesetzbuch XI §45a und §45b) fest - bayernweit gibt es bisher rund 680 anerkannte Angebote zu Unterstützung im Alltag von Pflegenden und ihrer dementen Angehörigen.

Betreuungsgruppen

Für Menschen mit Demenz im frühen bis mittleren Stadium bieten sowohl die Alzheimer Gesellschaft als auch andere Einrichtungen eigene Gruppen an. Dabei treffen sich sechs bis zehn Teilnehmer meistens einmal in der Woche für ca. drei bis fünf Stunden. Je nachdem, wie rüstig sie sind, werden verschiedene Aktivitäten angeboten, vom Vorlesen und Singen bis zu Ausflügen oder einfachen gymnastischen Übungen. Im Vordergrund steht dabei die Geselligkeit.

Solche Gruppen werden von einer Fachkraft geleitet, begleitet von ehrenamtlichen Helfern (Demenzhelfern), die vor ihrer Tätigkeit eine 40-stündige Schulung absolvieren müssen und einem Helferkreis angeschlossen sind. Die Kosten für die Teilnahme an solch einer Gruppe liegen zwischen 15 und 25 Euro, je nach Träger und Dauer.

Demenzhelfer und Demenzhelferin

Außerdem können Demenzhelfer auch stundenweise Menschen mit Demenz zu Hause besuchen, z.B. einmal die Woche drei Stunden. Je nachdem, wie rüstig die Menschen mit Demenz sind, gehen sie zusammen spazieren, lesen, bzw. verbringen gemeinsame Zeit miteinander. Bevor es losgeht, besucht eine Fachkraft der Einrichtung, an die der Demenzhelfer angeschlossen ist, die Familie. Ziel ist es, möglichst alle Wünsche zu berücksichtigen; wichtig ist auch, dass die "Chemie" stimmt.

Selbständigkeit erhalten

Demenzhelfer sollen Patienten dabei unterstützen, so selbständig wie möglich zu leben. Ihre Aufgabe ist auch, pflegende Angehörigen stundenweise zu entlasten. Demenzhelfer orientieren sich deswegen immer an den Fähigkeiten des Patienten. Sie dürfen ihn aber z.B. nicht baden, oder ihm Medikamente geben, denn dafür ist ein Pflegedienst mit fachlich geschultem Personal zuständig. Alle Demenzhelfer sind haft- und unfallversichert.

Demenzhelfer sind nicht gratis

Da Demenzhelfer eine Aufwandsentschädigung bekommen, muss man für deren Hilfe mit Kosten zwischen  neun und 20 Euro pro Stunde rechnen. Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1 erhalten allerdings monatlich 125 Euro Entlastungsleistung. Die muss man jedoch beantragen. Reicht das Geld nicht aus, kann man in vielen Fällen zusätzliche finanzielle Unterstützung bekommen. Angehörige können sich z.B. bei einer Pflegeberatungsstelle informieren.

Tipp: Manchmal bieten auch Nachbarschaftshilfen stundenweise Betreuung an.

Tagesbetreuung im Privathaushalt (TiPi)

Qualitätsgesicherte Tagesbetreuung in Privathaushalten (TiPi) kann sich für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz lohnen. Dabei werden sie in kleinen Gruppen von einem geschulten Team aus Gastgebern und ehrenamtlichen Helfern, ähnlich wie in einer Pflegefamilie, betreut.

Entlastungsangebote

Ziel der Entlastungsangebote ist, Pflegende im Alltag zu unterstützen, z.B. beim Einkaufen zu helfen, oder gemeinsam mit dem Menschen mit Demenz zu kochen und so vorzubeugen, dass er immer mehr vereinsamt. Die Kosten dafür sollen durch die Entlastungsgebühr (125 Euro) beglichen werden. Außerdem können Angehörige seit Kurzem für haushaltsnahe Dienstleistungen die Hilfe Ehrenamtlicher in Anspruch nehmen, z.B. bei der Wäsche und bei Fahrten zum Arzt. Nähere Informationen gibt es bei den Pflegeberatungsstellen.

Angehörigengruppen

In Bayern werden solche Gruppen z.B. von Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände oder den Alzheimer Gesellschaften angeboten. Bayernweit gibt es rund 130 solcher Gruppen, die manchmal für alle pflegenden Angehörigen offen sind, manchmal nur für Angehörige dementer Patienten - meistens für Angehörige dementer Menschen aller Stadien. In den Gruppen geht es z.B. um Fragen wie:

  • Was tut man, wenn demente Angehörige weglaufen?
  • Wann steht ein Umzug ins Heim an?
  • Welche finanziellen Leistungen gibt es und wann?
  • Wie verarbeite ich das alles emotional?

"Man muss sich aber davor klar machen, dass der Besuch in so einer Angehörigengruppe zwar entlastend sein kann, aber eventuell auch Angst macht. Zum Beispiel dann, wenn der eigene Angehörige nur leicht betroffen ist, aber man dann vor Augen geführt bekommt, wie die letzten Stadien sein werden. Das muss man aushalten können."

Bianca Broda, Fachreferentin Altenhilfe, PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.

Alle Betreuungs- und Entlastungsangebote kann man auch bei ambulanten Diensten bekommen. In der Regel sind die Kosten dort höher.


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