Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Unterstützung der Angehörigen Von Anfang an möglich

Nicht immer stellen Mediziner die Diagnose Demenz gleich zu Beginn der Erkrankung. Oft ist davor schon eine ganze Weile vergangen. Angehörige sollten aber so früh wie möglich mit ihrem dementen Verwandten über dessen Wünsche in puncto Pflege, Betreuung und Wohnform sprechen.

Von: Beate Beheim-Schwarzbach

Stand: 20.09.2017

Dietlind Kirsch-Tietje sieht sich im Evangelischen Seniorenheim Albestraße in Berlin mit ihrer demenzkranken Mutter, Elisabeth Schulze, ein altes Fotoalbum an. Die Betreuung von Helfern, Nachbarn, Familie reichte nicht mehr. | Bild: picture-alliance/dpa

So erfahren pflegende Angehörige zum Beispiel, wie die demente Mutter wohnen möchte, wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert, und sie haben zu einem späteren Zeitpunkt eine Entscheidungshilfe, müssen also nicht oft tiefe emotionale Täler durchschreiten. So ein Gespräch ist allerdings auch abhängig davon, wie viel Einsicht ein Patient in seine Krankheit hat.

Risiko, an Demenz zu erkranken, steigt

Etwa 1,6 Millionen Deutsche leben derzeit mit Demenz. Wissenschaftlichen Schätzungen zu Folge wird ihre Anzahl bis 2050 rund doppelt so hoch sein, denn die Lebenserwartung steigt, der Anteil Älterer wird immer größer, und das Risiko Demenz zu bekommen, nimmt mit höherem Alter zu.

Pflegende Angehörige

Viele Angehörige und Erkrankte sind nach der Diagnose erstmal geschockt und verunsichert, keiner weiß, was jetzt auf ihn zukommt. Deswegen kann sich jeder, der einen demenzkranken Angehörigen zu Hause pflegt - auch wenn die Diagnose gerade erst bekannt wurde, bereits von Anfang an mit allen Fragen an Beratungsstellen oder Fachstellen für pflegende Angehörige wenden.

Wichtig:

Diese Fachstellen sind unabhängige Ansprechpartner, ihre Informationen sind kostenlos.

"Manche Angehörige merken nach ein paar Wochen oder Monaten, sie kommen bei der Betreuung oder Pflege des dementen Verwandten an ihre eigenen Grenzen, andere Angehörige wollen sich schon im Vorfeld informieren. Egal, wohin man sich zuerst wendet -  an eine Fachstelle, an ein Alten- und Servicezentrum, an ein Sozialbürgerhaus, oder an die Alzheimer Gesellschaft - alle sind in der Regel regional gut vernetzt."

Bianca Broda, Sozialpädagogin und Fachreferentin Altenhilfe, PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.

Außerdem können Alzheimer Gesellschaften gut weiterhelfen, sowohl in größeren Städten als auch in Landkreisen:

Pflegeberatungsstellen

Sowohl pflegende Angehörige als auch Pflegebedürftige können eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen. Dazu wenden sie sich an ihre jeweilige Pflegekasse. Dort bekommt man z.B. Informationen zu folgen Punkten:

  • Gesetzliche Leistungen im Rahmen der Pflegeversicherung
  • Informationen über weitere Anlaufstellen vor Ort

Angehörige sollten sich nicht scheuen, sich mit ihren Fragen auch wiederholt dorthin zu wenden, denn am Anfang der Demenzerkrankung tauchen ganz andere Probleme auf, als zum Schluss, wenn es darum geht, wie die letzte Phase begleitet werden kann.

Rechtliche Vorsorge

Ebenfalls kurz nach der Diagnose, jedenfalls zu einem Zeitpunkt, an dem der demente Angehörige sich noch klar äußern kann und geschäftsfähig ist, lohnt es sich zu klären, wer in Zukunft die Vorsorgevollmacht für rechtliche, gesundheitliche und wirtschaftliche Angelegenheiten bekommen soll. Zudem kann man mit dem dementen Verwandten in einer Patientenverfügung regeln, unter welchen Bedingungen medizinische Maßnahmen erfolgen sollen und wann nicht.

Broschüre zum Downolad

Informationen zum Betreuungsrecht, als PDF-Datei kostenlos zum Herunterladen, finden Sie beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz:

Auch wichtig

Die Bundesregierung hat eine „Allianz für Menschen mit Demenz“ ins Leben gerufen und versucht dabei, lokale Allianzen in einem Netzwerk zu verbinden. Ziel ist: Es sollen 500 solcher Allianzen im ganzen Bundesgebiet entstehen.

"Zum Beispiel hat im Landkreis Dachau hat ein Projekt erstmalig alle beteiligten Einrichtungen, die mit Menschen mit Demenz arbeiten, an einen runden Tisch geholt. Zusammen erarbeiten sie, was die Bürger brauchen und wo noch Lücken sind."

Bianca Broda, Fachreferentin Altenhilfe, PARITÄTISCHER Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V.


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