Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Chronische Darmträgheit Andere Ursachen

Die Ursachen für chronische Darmträgheit sind vielfältig. Neben der Ernährung und zu wenig Flüssigkeitsaufnahme spielen auch psychische Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Stand: 22.01.2015

Gestresste Frau am Schreibtisch | Bild: colourbox.com

Doch nicht immer lässt sich das Problem auf den Lebenswandel zurückführen und damit durch Eigeninitiative positiv beeinflussen. In zehn bis 20 Prozent liegen organische Ursachen vor. Zudem ist eine ausgeprägte Darmträgheit eine häufige Nebenerscheinung schwerer Krankheiten.

Stress schlägt sich auf die Verdauung!:

Im Darm wirkt das sympathische Nervensystem, also das autonome, nicht willentlich beeinflussbare Nervensystem, das auch das Herz und andere innere Organe versorgt.


Dieses Nervensystem reagiert aber stark auf äußere Stressfaktoren. Feststeht, dass Stress jedweder Art die Darmfunktion beeinträchtigt. Wenn man Menschen befragt, die unter chronischer Darmträgheit leiden, berichten viele von ihnen, dass sie besonders dann die Symptome haben, wenn sie unter Stress stehen.

Verstopfung: eine Nebenwirkung anderer Medikamente

Darmträgheit ist eine häufige Nebenwirkung von vielen Medikamentengruppen. Zum Beispiel können starke Schmerzmittel (Opiate) so wirken, ebenso bestimmte Psychopharmaka, Betablocker, Medikamente gegen Bluthochdruck, Diuretika, also entwässernde Medikamente, aber auch Antiparkinsonmedikamente oder Antiepileptika. Auch Eisenpräparate machen häufig Verstopfung.

Wichtig:

Wenn man unter diesem Problem leidet, sollte man vor der Einnahme eines Medikaments immer den Arzt fragen und den Beipackzettel genau studieren.

Wie immer nicht zu unterschätzen: Bewegung

"Ungezählte Beobachtungen belegen, dass Menschen, die sich regelmäßig bewegen, viel seltener als träge Menschen unter diesem Problem leiden. Man vermutet, dass durch die Bewegung die gesamte Muskulatur und damit auch die Hormonsysteme aktiviert werden und deswegen die Körperfunktionen besser im Gleichgewicht bleiben. Früher mussten sich die Menschen wesentlich mehr bewegen. Darauf ist der Darm wahrscheinlich ausgerichtet, nicht auf das bequeme Leben von heute. Insofern ist chronische Darmträgheit heute auch eine Wohlstandserscheinung."

Prof. Hauner

Organische Probleme als Ursache für Verstopfung

Nur bei einer Minderheit der Patienten lässt sich eine organische Ursache feststellen. Die Zahlen hierzu bewegen sich zwischen zehn und 20 Prozent. Darmträgheit kann zum Beispiel nach einer Darmoperation und anderen Operationen im Bauchraum auftreten, weil das Zusammenspiel der Organe im Bauch nicht mehr richtig funktioniert. Auslöser können auch abgeheilte Fisteln oder chronische Entzündungen im Darmbereich sein. Im schlimmsten Fall kann ein Tumor dahinter stecken.

Tipp:

Vor allem, wenn Darmträgheit zum ersten Mal auftritt, sollte man einen Magen-Darmspezialisten zu Rate ziehen und in der Regel eine Darmspiegelung durchführen lassen.

Verstopfung als Warnsignal: Ein Hinweis auf andere Krankheiten?

Chronische Verstopfung ist ein sehr unspezifisches Symptom. Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten mit Beschwerden im Darmbereich. Jede schwere Krankheit - angefangen bei Krebs über Autoimmunerkrankungen bis hin zu einer schweren, chronischen Infektion - kann sich im Darm äußern. Dieses große Spektrum von Möglichkeiten zwingt den Arzt, breit nach einer organischen Ursache zu suchen: Laboruntersuchungen, klinische Untersuchungen und die Frage nach anderen, neuen Symptomen, um sich ein Bild zu verschaffen, womit die chronische Darmträgheit noch zusammenhängen könnte.

Oder auf einen drohenden Schlaganfall?

Häufig wird diese Warnfunktion der chronischen Darmträgheit übertrieben. Es kann einmal zufällig zusammentreffen, aber chronische Darmträgheit ist kein typisches Symptom vor einem Schlaganfall.

"Das halte ich für Panikmache. Man muss bedenken, wie viele Menschen unter diesem Problem leiden. Wenn man jedes Mal an einen bevorstehenden Schlaganfall oder eine sonstige ernsthafte Krankheiten denken würde, würde man sich verrückt machen. Häufig sind die Ursachen harmlos."

Prof. Hauner


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