Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Ernährungsumstellung Nach der Diagnose Darmkrebs

Ob jemand seine Ernährungsgewohnheiten verändern muss, nachdem Darmkrebs diagnostiziert wurde, hängt davon ab, ob die entstandene Veränderung am Darm so operiert werden kann, dass die Nahrung ihn danach wieder normal passieren kann. Bleibt eine Verengung bestehen, muss die Ernährung auf jeden Fall umgestellt werden, um Verstopfungen (Stau des Stuhls vor der Verengerung) zu vermeiden.

Von: Holger Kiesel

Stand: 07.03.2016

Flohsamen | Bild: imago Stock

Bleibt eine Verengung bestehen, muss die Ernährung auf jeden Fall umgestellt werden, um Verstopfungen (Stau des Stuhls vor der Verengerung) zu vermeiden.

Erhöhter Nährstoffbedarf bei Darmkrebs

Krebspatienten haben bei fortgeschrittener Erkrankung – bis zur Behandlung ihres Tumors - einen erhöhten Energiebedarf, weil Krebsgeschwüre viele Nährstoffe umsetzen (je größer, desto mehr). Diesen Bedarf zu befriedigen ist manchmal nicht einfach, auch weil viele Patienten infolge ihrer Erkrankung einen gewissen Widerwillen gegen Fleisch entwickeln oder appetitlos werden.

Grundsätzlich gilt:

Stabil weiteressen wie zuvor und Lebensmittel, die Beschwerden (Durchfall, Blähungen) verursachen, weglassen.

Unverträglichkeiten bei Darmkrebspatienten

Infolge einer Darmkrebserkrankung können Unverträglichkeiten gegen bestimmte Lebensmittel (z.B. Hülsenfrüchte, Kohl, Sauerkraut, Zwiebeln, frisches Brot) entstehen. Außerdem können kohlensäurehaltige oder saure Getränke und Kaffee sowie frittierte, geräucherte oder stark gewürzte Speisen Probleme bereiten. Auch eine Laktose-Intoleranz kann sich in Einzelfällen symptomatisch verstärken.

Unverträglichkeiten vermeiden

Um Unverträglichkeiten rechtzeitig zu erkennen, sollten Betroffene nach einer Erkrankung "leichte Vollkost" (ohne Zutaten, die Unverträglichkeiten auslösen, schonend zubereitet) zu sich nehmen und ihr Gewicht möglichst stabil halten. Außerdem ist es – auch weil die Beschwerden oft individuell sehr unterschiedlich sind – häufig sinnvoll, in einem "Ernährungstagebuch" festzuhalten, was man gegessen hat, um die Ursache schneller entdecken zu können.

Verstopfung und Blähungen

Bei Darmkrebspatienten treten – gerade nach einer OP – häufig Beschwerden wie Verstopfung, Blähungen oder Völlegefühl auf. Hier hilft die Zufuhr von Ballaststoffen. Wichtig ist, die Aufnahme langsam zu steigern: Man beginnt mit einem Teelöffel Flohsamen oder Leinsamen täglich mit 100 ml Wasser und kann dann bei Bedarf hochgehen bis zu drei Esslöffeln pro Tag mit mindestens 1,5 Litern Wasser. Auch saure Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir und Fruchtsäfte (Apfelsaft, Traubensaft) können beim Abführen helfen.

Dehydrierung vermeiden

Auch Durchfall kann als Folge einer Darmkrebserkrankung häufiger vorkommen. Dann ist es – speziell bei älteren Patienten – sehr wichtig, die verlorene Flüssigkeit schnell wieder zuzuführen, damit die Betroffenen nicht dehydrieren.

Ernährung während der Chemo

Chemotherapeutika können starke Nebenwirkungen haben und die Darmschleimhaut angreifen. Unter anderem können sie auch Durchfälle auslösen. Auch hier gilt: Verlorene Flüssigkeit ersetzen, Nährstoffe zuführen (durch Zugabe von Salz und Traubenzucker), leichte Vollkost zu sich nehmen und Gewicht möglichst stabil halten.

Achtung:

All zu schneller Gewichtsverlust erschwert die Behandlung, weil das den Betroffenen stark strapaziert!

Ernährung nach der Darm-OP

Muss bei Krebspatienten ein Stück Darm entfernt werden, hat das in der Regel keinen großen Einfluss auf die Ernährung der Betroffenen. Der Grund: Es handelt sich meist um einen Teil des Dickdarms, der hauptsächlich die Aufgabe hat, den Stuhl einzudicken. Der Restdickdarm kann einen Teilverlust ausgleichen. Der größte Teil des Stoffwechsels findet ohnehin im Dünndarm statt und kann auch nach einer OP relativ ungestört weitergehen. Außerdem kann der Dünndarm die Aufgaben des Dickdarms auch teilweise mit übernehmen.

'Krebsdiäten' sind nicht sinnvoll!

Spezielle Diäten für Darmkrebspatienten, wie sie etwa im Internet häufig angeboten werden (Elementardiät, etc.), sind in der Regel nicht sinnvoll und häufig reine Geschäftemacherei! Über eine ausgewogene und leichte Kost kann man sich alles zuführen, was der Körper benötigt! Nur bei starkem körperlichen Substanzverlust wird über Elementar- oder Formuladiäten nachgedacht. Krebsdiäten mit Behandlungswirkung gegen den Krebs sind leider nur Wunschdenken.


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