Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Naturheilkunde Darm und Immunsystem

"Wenn die Darmfunktion gestört ist, kann damit eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit verbunden sein", so Dr. Artur Wölfel vom Krankenhaus für Naturheilweisen in München-Harlaching.

Stand: 20.02.2018

Eine Frau bei einer Yoga-Übung | Bild: Getty Images

Denn 70 bis 80 Prozent der immunkompetenten Zellen werden in speziellen Schleimhautarealen des Darms gebildet. Da dieses sogenannte darmassoziierte Immunsystem einen großen Teil der Abwehrarbeit für den gesamten Körper leistet, ist es umso entscheidender, für einen gut funktionierenden Darm zu sorgen:

  • Die Peristaltik (Darmbewegung) muss ausreichend sein und
  • die mikrobielle Ökologie des Darms, also das Zusammenspiel der unterschiedlichen Bakterien, muss im Lot sein.

Zwei ganz klare Faktoren: Ernährung und Entspannung

"Das sind die zwei wichtigsten Einflussfaktoren für den Zustand des Darms. Vor allem der Funktionszustand des vegetativen Nervensystems wird oft unterschätzt. Typisch für den sogenannten 'spastischen', also verkrampften Dickdarm ist ein allgemeiner Anspannungs- und Erregungszustand."

Dr. Artur Wölfel.

Konkret bedeutet dies, dass der Darm gepflegt werden muss: durch eine vollwertige Ernährungsweise, die eine gesundheitsfördernde Bakterienbesiedlung begünstigt. Ferner durch eine Ernährungs- und Lebensweise, die die Darmmotorik gut trainiert. Den Darm pflegt man am besten durch einen ausgeglichenen Lebensrhythmus, durch einen gezielten Wechsel von An- und Entspannungsphasen im Leben.

Atemübungen gegen Verstopfung

Den Rhythmus, der dem Darm guttut, muss man sich erarbeiten: Regelmäßige Bewegung regt die Peristaltik an, Entspannungsübungen vermindern den Stress, der sich negativ auf den Darm auswirken kann. Wenn nichts mehr vorwärts geht und der Darm träge geworden ist, hilft ein ganz einfacher Trick:

Atmen mit dem Zwerchfell
Schon mit der Wahl der Atemtechnik kann man dem Darm etwas Gutes oder etwas Schlechtes tun. Denn jeder mechanische Reiz auf den Darm, egal ob er von Innen oder Außen kommt, fördert die Darmbewegung. Die klassische Brustkorbatmung übt keinen mechanischen Reiz auf den Darm aus, weil der Bauchraum von der Atembewegung nicht betroffen ist. Die Zwerchfellatmung dagegen bewirkt immer eine leichte Darmmassage und fördert damit auch die Peristaltik (Bewegung des Darms) und damit den Impuls, zu arbeiten.

Training für den Darm durch ballaststoffreiche Ernährung

Ballaststoffreiche Ernährung (zum Beispiel Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse) löst einen Dehnungsreiz auf die Darmwand aus, ein Impuls für das Organ, seine Transportfunktion zu aktivieren. Aber Vorsicht: Eine zu schnelle Umstellung der Ernährung überfordert den Darm oftmals.

Tipp:  Lassen Sie es ruhig angehen, trainieren Sie Ihren Darm Schritt für Schritt.

Saures Darmmilieu heißt aktiverer Darm

Patienten mit trägem Stuhlgang haben oft ein basisches Milieu im Darm. Dann fehlen säurebildende Bakterien wie beispielsweise Laktobazillen. Als Folge ist oft auch die Darmperistaltik zu schlapp, der Stuhlgang wird hart, der Patient neigt zur Verstopfung. Abhilfe gibt es im Supermarkt, wenn man zum Beispiel zu den richtigen Milchprodukten greift.

Tipps: Mit Milchprodukten zum gesunden Darm

  • Die milchsaure Gärung als Konservierungsmethode erzeugt besonders verdauungsfreundliche Produkte wie Kefir, Buttermilch oder milchsauer-vergorenes Gemüse. Sauermilchprodukte haben einen milieuverändernden Einfluss auf die Bakterienflora und den Säure-Basen-Haushalt im Darm. Vorsicht bei Laktoseintoleranz! Hier wären diese Produkte kontraproduktiv.
  • Bewährt haben sich außerdem die Probiotika, wie beispielsweise Kefir oder Joghurt, die zusätzlich mit Laktobazillen angereichert werden und in jedem Supermarkt erhältlich sind.

"Der Vorteil von mit Lacto- und Bifidumbakterien angereicherten Nahrungsmitteln ist, dass überhaupt ein nennenswerter Anteil der Bakterien  die Magenpassage und die Magensäure überwinden und überleben kann. Zu therapeutischen Zwecken braucht es oft eine höhere Konzentration an Bakterien. Sie gelangen erst dadurch tatsächlich in den Darm. Durch diese probiotischen Nahrungsmittel kann ein positiver Effekt auf das darmassoziierte Immunsystem erzielt werden. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich grundsätzlich ballaststoffreich und vollwertig ernährt. Unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Ballaststoffe und resistente Stärken z.B. aus Hülsenfrüchten und Vollgetreide wirken als 'Präbiotika'. Sie dienen den Dickdarmbakterien als Nährstoffe. Die dabei entstehenden kurzkettigen Fettsäuren, wie die Buttersäure, haben eine Schutzfunktion gegenüber Krebs und Entzündungen. Außerdem fördern sie das Wachstum gesundheitsfördernder Keime im Darm."

Dr. Artur Wölfel

Coli-Bakterien und Laktobazillen gegen Durchfall

Auch aus Sicht der klassischen Naturheilkunde zerstört die Einnahme von Antibiotika das Gleichgewicht der Darmbakterien. Bemerkbar macht sich das durch sogenannten antibiotika-assoziierten Durchfall: Durch das Antibiotikum sind ökologische Nischen entstanden, in denen sich eigentlich harmlose Darmkeime zu stark vermehren können und dadurch Probleme bereiten. Abhilfe schaffen andere Bakterien, die das gestörte Gleichgewicht wieder ordnen: Coli-Bakterien oder Laktobazillen in medikamentöser Form. Welches Mittel jeweils genau hilft, weiß der Hausarzt.


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