Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Therapiemöglichkeiten Was hilft bei Anpassungsstörung?

Bei einer Anpassungsstörung geht es in der Therapie vor allem darum, dem Betroffenen Halt zu geben, zuzuhören und seine Ressourcen zu stärken. Medikamente dienen nur der Bekämpfung besonders störender Symptome.

Von: Holger Kiesel

Stand: 03.07.2017

Anpassungsstörung: Zwei Menschen sitzen an einem Ufer, Arm in Arm, sich Trost spendend. | Bild: picture-alliance/dpa

Spezielle Medikamente zur Behandlung der Anpassungsstörung gibt es nicht. Arzneimittel dienen in diesem Zusammenhang vor allem der Bekämpfung besonders störender oder einschränkender Symptome (z.B. Schlafstörung). Eine längerfristige Einnahme von Medikamenten versucht man hier aber zu vermeiden.

"Man kann in einer Anpassungsstörung viel über sich und sein Leben lernen. Die Lehre sollte allerdings nicht lauten: wenn es Dir schlecht geht, nimm mal schnell eine Pille, dann geht es Dir besser – da gibt es Alternativen."

Prof. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbad Fachklinik Furth im Wald.

Psychotherapie

Da eine Anpassungsstörung in der Regel nicht so lange anhält, sind hier eher kurze psychotherapeutische Interventionen angezeigt. Wichtig ist vor allem, dass der Patient in seinem Behandler ein Gegenüber hat, bei dem er Halt und Stabilität findet. Weil die Therapeuten ja nicht zum Umfeld der Patienten gehören, können sie auf Bewertungen verzichten und die Betroffenen einfach so nehmen, wie sie sind. Dazu gehört, sich die 'Geschichte' auch dann noch einmal anzuhören, wenn z. B. Familienmitglieder schon etwas genervt oder erschöpft reagieren.
Ein wichtiges Therapieprinzip ist, nicht nur auf das Schlechte zu schauen, sondern den Patienten den Zugang zu ihren Ressourcen zu erleichtern.

Gefahr einer Übertherapie

Niemand möchte in einer Krise noch zusätzlich das Gefühl vermittelt bekommen: 'Naja, das ist kein Wunder bei Ihrem Lebenswandel'. Wir sollten uns also als Therapeuten darauf beschränken, dass die Betroffenen in einer haltgebenden Atmosphäre sehr aktiv an der Lösung der Probleme mitwirken können. Denn immerhin sind die Patienten ja die Fachleute für ihr eigenes Leben.

Stärkung für die Zukunft

Wenn dann ein Patient das Gefühl hat, die Anpassungsstörung weitgehend alleine bewältigt zu haben, spricht das für die Qualität der Therapie. Die Erkrankung kann so auch eine Art Immunisierungseffekt für die Zukunft haben und den Betroffenen im Umgang mit Krisen reifer machen!

"Bei einem Todesfall kann man zum Beispiel lernen, dass der Verlust an sich zwar nicht mehr 'weggeht'. Aber die schönen Erlebnisse und Gemeinsamkeiten mit dem Verstorbenen bleiben ja erhalten und geben Kraft." Prof. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbad Fachklinik Furth im Wald.

Angehörige und Freunde

Mit anderen reden tut gut und hilft uns über viele Krisen hinweg. Allerdings erwarten Angehörige und Freunde oft ganz intuitiv, dass sich eine schwierige Situation dann auch jeden Tag bessert, was bei einer Anpassungsstörung eben am Anfang gerade nicht der Fall ist. Tipp: wer sich als Angehöriger auf Dauer überfordert fühlt, sollte es rechtzeitig sagen und dem Betroffenen vorschlagen, sich professionelle Hilfe zu suchen.
Und: Ratschläge nach dem Motto 'Jetzt reiß Dich doch mal zusammen!' sind eher kontraproduktiv.

Jeder geht mit Krisen anders um

Ein häufiger Fehler, den Angehörige und Freunde (und manchmal auch Ärzte) im Umgang mit der Anpassungsstörung machen, ist es, dem Betroffenen ein 'Patentrezept' vermitteln zu wollen. Da der Umgang mit schwierigen Situationen jedoch sehr individuell ist, gibt es solche allgemeingültigen Lösungen in der Regel nicht. Wichtig für Patienten mit Anpassungsstörung ist es, genau den eigenen Weg aus der Krise zu finden.


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