Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Vivian Dittmar Gedanken zum Tag

Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber eines Tages fragten meine Freunde und ich uns, wie viel wir unseren Eltern wohl wert wären.

Stand: 07.06.2021

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

07 Juni

Montag, 07. Juni 2021

Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber eines Tages fragten meine Freunde und ich uns, wie viel wir unseren Eltern wohl wert wären. (…) Ich schätze, wir waren damals etwa sieben oder acht Jahre alt. Nachdem wir ein wenig über das Thema nachgedacht hatten, ohne eine zufriedenstellende Antwort zu finden, gingen wir zu unseren Müttern (…). Wir fragten sie geradeheraus: "Für wie viel würdet ihr uns verkaufen?" Sie sahen uns verdutzt an, lachten und antworteten: "Wir würden euch gar nicht verkaufen." (…) "Auch nicht für eine Million Mark?" - eine Million war die größte Summe Geld, die wir uns damals vorstellen konnten. (…) Wieder lachten unsere Mütter, strichen uns über den Kopf und beteuerten: "Nein, auch nicht für eine Million Mark." (…) Ich habe erst viel später begriffen, was wir mit unserer Frage berührt hatten. Wir waren ganz unversehens in einen Bereich hineingestolpert, den ich heute als heilig bezeichnen würde (…), denn es sind die nicht käuflichen Geschenke in unserem Leben, die echten Wohlstand ausmachen. Dieser Wohlstand ist daher nicht in Geld messbar und ^wird es nie sein. Das bedeutet natürlich nicht, dass es keine Indikatoren dafür gibt oder dass wir diesen keine Beachtung schenken sollen. Doch es bedeutet sehr wohl, dass unsere Fixierung auf Geld und auf das Messbare ein Hindernis für die Entwicklung von echtem Wohlstand ist.

Entnommen aus: Vivian Dittmar "Echter Wohlstand. Ein Plädoyer für neue Werte", Kailash Verlag, München 2021


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