Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

Die frühen Christen verharrten in schroffer Ablehnung gegenüber ihrer heidnisch geprägten Umwelt.

Stand: 08.05.2021

08 Mai

Samstag, 08. Mai 2021

Die frühen Christen verharrten in schroffer Ablehnung gegenüber ihrer heidnisch geprägten Umwelt. Sie sahen sich vor die Alternative gestellt, sich entweder aus der Welt zurückziehen und einflusslos zu bleiben oder aber die Auseinandersetzung mit ihr zu wagen und sich der Gefahr aussetzen, vom heidnischen Denken angesteckt zu werden. Mit dieser ablehnenden Einstellung, die viele Jahrhunderte vorherrschend war, brach der Kirchenlehrer Basilius. In einer Rede "an die Jugend" belehrt er diese über den nutzbringenden Gebrauch der Profanliteratur und fordert sie auf, sich wie die Bienen zu verhalten. Bienen, sagt er, fliegen ja nicht zu allen Blumen, sie nehmen nur so viel mit, wie sie verarbeiten können und lassen das Andere zurück. Diese Sichtweise leitete eine Wende ein und gab den Anstoß, in den heidnischen Werken das zu entdecken, was man taufen kann. Die mittelalterlichen Theologen schafften es, die profane Literatur zu christianisieren. Die modernen Theologen, müssen das wieder lernen. Christen können auch von Nicht-Christen lernen. Der Christ von heute steht vor der alten Frage: Wie weit er sich der Welt anpassen darf. Er muss im Stimmengewirr und in der Bilderflut unserer Medienwelt erkennen, wie er aus dem Zeitgeist Honig saugen kann. Nicht jede Blume spendet Honig und nicht alles, was süß schmeckt ist Honig. Er braucht deshalb die Unterscheidungsgabe. Sie ist ein Geschenk des Hl. Geistes.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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