Bayern 2 - Gedanken zum Tag


2

Helmut Zöpfl Gedanken zum Tag

Vielleicht geht es uns mit dem Begriff des Schönen ähnlich, wie mit der der Zeit, von der Augustinus gesagt hat, dass wir zwar stets über sie reden, wenn wir aber gefragt werden, was sie genau ist, tun wir uns schwer.

Stand: 30.04.2021

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

30 April

Freitag, 30. April 2021

Vielleicht geht es uns mit dem Begriff des Schönen ähnlich, wie mit der der Zeit, von der Augustinus gesagt hat, dass wir zwar stets über sie reden, wenn wir aber gefragt werden, was sie genau ist, tun wir uns schwer. Oder könnten Sie auf Anhieb sagen, was das Schöne ganz genau ist? Natürlich fallen uns Begriffe wie Harmonie, Vollkommenheit oder auch Unermessliches ein. In der Tat lässt sich Schönheit nicht messen, wiegen oder in Zahlen ausdrücken. Wenn wir z.B. erfahren, dass ein Bild von Dürer so und so viele Millionen wert ist, sagt das wenig über das Schöne aus. Während ich so nachdenke, schwirrt eine Libelle über mir her und setzt sich auf meinen Arm. Ihre Flügel glänzen im Sonnenlicht golden. Ich betrachte sie in ihrer Zartheit und beginne zu ahnen, dass sich Schönheit in ihr für Sekunden zeigt. Und sie sendet uns wie jetzt gerade immer wieder einen Gruß, wenn wir gut aufpassen. Wer den modernen Schönheitskult betrachtet, stellt fest, dass Schönheit immer mehr zu etwas zu werden scheint, dass wir mit Mode, Schminke oder gar Operationen herstellen können. Mit dem Re-aging kaufen wir uns Jugend und Schönheit, so glauben manche, zurück. Ein altes Gesicht gilt, wenn auch nicht direkt ausgesprochen, als nicht schön. Ist es aber nicht so, dass und das Gesicht des lieben alten Menschen oft als ganz besonders schön erscheint. Und da kommt uns die Definition vor Christian Morgenstern in den Sinn: "Schön ist alles, was wir mit den Augen der Liebe betrachten".

Helmut Zöpfl / unveröffentlichter Text


2