Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Dietmar Rebmann Gedanken zur Fastenzeit

Der Mensch ist nie zufrieden mit dem, was er erreicht hat; immer wieder steigen neue Wünsche in ihm auf. Die unstillbare Sehnsucht im Menschen ist wie ein starker Motor, der ihn unaufhörlich antreibt.

Stand: 23.02.2021

23 Februar

Dienstag, 23. Februar 2021

Der Mensch ist nie zufrieden mit dem, was er erreicht hat; immer wieder steigen neue Wünsche in ihm auf. Die unstillbare Sehnsucht im Menschen ist wie ein starker Motor, der ihn unaufhörlich antreibt. Man kommt heute nur selten noch in die Verlegenheit, Durst ertragen zu müssen und wenn, dann nur kurz, da der Weg zum Kühlschrank oder Supermarkt kurz ist. In einer Zeit, in der alle Bedürfnisse sofort befriedigt werden können, wird auch der aufkommende Durst sofort gestillt. Damit geht eine elementare Lebenserfahrung verloren. Der Durst ist eine Umschreibung für die Grundbedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen. Wo der Durst ist, da ist Hoffnung; wo Hoffnung ist, ist Lebenswille. Wo der Durst gestillt ist, da ist die Sehnsucht getötet und das Weiterleben gefährdet. Denn mit dem unstillbaren Durst stellt sich auch die Frage des Menschen nach dem Sinn seines Lebens. In der biblischen Szene am Jakobsbrunnen sagt die Samariterin zu Jesus: "Herr gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe". Die Frau dachte an ihren Leib, aber Jesus an ihre Seele. Das ist ein Beweis dafür, wie existentiell Jesus selbst den Durst des Menschen gedeutet hat. Und weil der Durst aus der Tiefe des Menschen kommt, helfen auch keine oberflächlichen Befriedigungen. Allein in der Quelle des Seins, im Schöpfergott, findet man eine Antwort.

Dietmar Rebmann / unveröffentlichter Text


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