Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Hans-Martin Lübking Gedanken zum Tag

Kein Wunder, dass Juden und Griechen die Christen für verrückt hielten, wenn sie verkündeten, ausgerechnet im Kreuzestod Jesu habe sich Gott offenbart.

Stand: 26.01.2021

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

26 Januar

Dienstag, 26. Januar 2021

Kein Wunder, dass Juden und Griechen die Christen für verrückt hielten, wenn sie verkündeten, ausgerechnet im Kreuzestod Jesu habe sich Gott offenbart. Damit wurden bisherige Gottesvorstellungen, die Gott nur mit Macht, Sieg und Erfolg zusammenbringen konnten, auf den Kopf gestellt. Gott ist auch im Elend, die Macht Gottes erweist sich in seiner Ohnmacht. Das Kreuz wurde zum Trostzeichen. (…) Im Christentum sind zum ersten Mal in der Religionsgeschichte Gott und das Leiden positiv zusammengebracht: Gott leidet mit den Menschen mit. Das ist immer auch als großer Trost empfunden worden. Zum innersten Kern des christlichen Glaubens gehört die Überzeugung, dass Gott selbst Mensch geworden ist und bis hin zum Tod am Kreuz unser Menschsein geteilt und am eigenen Leib erfahren hat. Daraus folgt: Gott ist kein bloßer Zuschauer menschlichen Lebens und Sterbens. Er kennt Leid und Tod aus eigener Erfahrung und steht dem Schicksal von Menschen nicht gleichgültig gegenüber. Wir sind im Leben und im Tod nicht von Gott verlassen - das ist der "starke" Trost, den der Kreuzestod Jesu vermitteln kann. (…) Das Christentum ist keine Religion der Sieger. Das Kreuz Jesu steht dafür, dass die Leidenden in dieser Welt nicht übersehen und vergessen werden.

Entnommen aus: Hans-Martin Lübking "Was uns trösten kann. Texte und Erfahrungen", Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2016


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