Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Björn Vedder Gedanken zum Tag

Zu den Pfeilen, die die Väter der Zukunft ihren Kindern in den Köcher legen, gehört zum einen die Einsicht in die Offenheit des Zeitverlaufs.

Stand: 07.01.2021

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

07 Januar

Donnerstag, 07. Januar 2021

Zu den Pfeilen, die die Väter der Zukunft ihren Kindern in den Köcher legen, gehört zum einen die Einsicht in die Offenheit des Zeitverlaufs. Denn dass die Zeit vergeht, heißt jenseits aller physikalischen und sozialen Einteilungen nicht nur, dass alles vergeht, sondern auch, dass alles anders werden kann. Wir verlieren nicht nur das Angenehme, auch das Unangenehme geht vorüber. (…) So gut wir auch für uns selbst sorgen und uns selbst ernst nehmen: Unser Leben ist uns in weiten Teilen unverfügbar. Denn wir leben auf eine unverfügbare Zukunft und in unverfügbare Zusammenhänge hin. Die Offenheit unseres Lebenshorizonts ist jedoch kein empirischer Befund, also keine Erfahrung, die wir machen oder die ich meinen Töchtern als meine Lebenserfahrung weitergeben könnte, sondern der Rahmen, innerhalb dessen wir überhaupt Erfahrungen machen können. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn wir uns fürchten (…). Sich zu fürchten heißt, dass ich mir vorstelle, einzelne Handlungen, die ich plane, könnten nicht gelingen, und dieses Nichtgelingen erscheint mir negativ. Ich kann als Vater meinen Kindern diese Furcht nicht nehmen. Ich kann ihnen raten, zu tun, was immer ihnen möglich ist, damit ihnen ihre Pläne gelingen.

Entnommen aus: Björn Vedder "Väter der Zukunft. Ein philosophischer Essay", Büchner Verlag, Marburg 2020


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