Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Heiner Wilmer Gedanken zum Tag

Eine starke Botschaft: Wir haben ein Grundrecht auf Hoffnung. Wir können Ängste haben und Sorgen, weinen und trauern, doch das Grundrecht bleibt.

Stand: 04.01.2021

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

04 Januar

Montag, 04. Januar 2021

Eine starke Botschaft: Wir haben ein Grundrecht auf Hoffnung. Wir können Ängste haben und Sorgen, weinen und trauern, doch das Grundrecht bleibt. Es wird nicht fortgespült von Tränen, nicht niedergeschrien von Verzweiflung, nicht ausgelacht von Zynismus. Das Grundrecht auf Hoffnung tragen wir in uns - und damit das Grundrecht darauf, dass uns Hoffnung trägt. Denn die Hoffnung ist nicht nur Grundrecht, sondern auch Grundlage und Grundpfeiler unseres Lebens, grundlegender als jeder Pessimismus. Und auch grundlegender als jeder Optimismus. Man könnte deshalb etwas paradox sagen: Wenn uns Hoffnung trägt, können wir auch von Zeit zu Zeit Pessimismus ertragen. Die Hoffnung geht tiefer, hebt höher und trägt weiter. Hoffnung als Grundrecht und Hoffnung als Punkt, an dem sich Gegenwart und Ewigkeit treffen, ist dann auch das Gegenteil von Entrücktheit oder Weltvergessenheit. Wer hofft, handelt. Er oder sie mag getragen sein von der Überzeugung, dass existenziell gesehen alles gut ausgeht. Doch zugleich weiß er, dass er sich auch selbst um den guten Ausgang kümmern muss. Ein Hoffender ist ein Anpacker. Einer, der etwas schaffen will und kann, auch weil er weiß, dass er nicht alles schaffen kann und muss.

Entnommen aus: Heiner Wilmer "Trägt. Die Kunst, Hoffnung und Liebe zu glauben", mit Simon Biallowons, Herder Verlag, Freiburg 2020


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