Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Werner Küstenmacher Gedanken zur Weihnachtszeit

Bald eine Woche ist der Heilige Abend nun vorbei. Für viele Menschen war er eine Reise zurück in die Kinderzeit, als sie ganz anders staunen und glauben konnten als heute.

Stand: 30.12.2020

30 Dezember

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Bald eine Woche ist der Heilige Abend nun vorbei. Für viele Menschen war er eine Reise zurück in die Kinderzeit, als sie ganz anders staunen und glauben konnten als heute. Ach, wenn das doch auch heute noch ginge! Oliver Gies vom A-cappella-Quartett Maybebop hat diese Sehnsucht in einem Lied ausgedrückt: Man weiß heut durch die Exegese Krippe, Esel und Stall sind erfunden von den Autor'n. Auch Bethlehem ist nur 'ne These, Jesus wurde woanders und gar nicht im Dezember gebor'n. Kein König aus dem Morgenland hat je vorm Jesuskind gekniet. Und doch spür'n wir, wie die Geschichte uns're Sehnsucht berührt, und sich allen Zweifeln entzieht. Ich wünschte, jemand schrieb darüber mal ein neues Weihnachtslied. Der römische Dichter Sallust hat gesagt: "Mythos ist, was immer ist und niemals war." Weihnachten ist das Wunder der Gleichzeitigkeit mehrerer Wahrheiten. Ich wünsche mir, dass sich dadurch auch die Kirche verwandelt - von einem Kampfplatz des Glaubenmüssens zu einem freien Feld des gemeinsamen Staunens und Entdeckens.

Werner Küstenmacher / unveröffentlichter Text


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