Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Inge Broy Gedanken zur Adventszeit

"Das Wichtigste an Weihnachten: Essen". Mit diesem Motto wirbt dieses Jahr eine Kette im Lebensmittelhandel. Nun muss man Werbung zwar nicht so ernst nehmen, aber dennoch ärgert mich dieser Satz, weil er so zynisch klingt.

Stand: 23.12.2020

23 Dezember

Mittwoch, 23. Dezember 2020

"Das Wichtigste an Weihnachten: Essen". Mit diesem Motto wirbt dieses Jahr eine Kette im Lebensmittelhandel. Nun muss man Werbung zwar nicht so ernst nehmen, aber dennoch ärgert mich dieser Satz, weil er so zynisch klingt. Für manche ist das Essen an jedem Tag das Wichtigste (nicht nur an Weihnachten), nämlich für diejenigen, deren Geld knapp ist, die arm sind oder hungern. Diese Menschen leben mitten unter uns. Andere setzen in diesen letzten Tagen vor Weihnachten alles daran, das beste und schönste Festmenü des ganzen Jahres zu zaubern. Und weil die Erwartung so hoch ist, ist die Enttäuschung oft vorprogrammiert, und der Hunger nach Mehr bleibt. Wenn wir dann noch über den eigenen Tellerrand schauen, wissen wir, dass das Essen auf unserem Teller oft auf Kosten anderer geht. Soll also wirklich Essen das Wichtigste an Weihnachten sein? Eine alte Redensart sagt, dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhält. Das bedeutet doch: Essen und Trinken sind lebenswichtig, bewahren uns vor dem Sterben. Essen ist kein Selbstzweck, sondern wir essen, damit wir leben. Das hat für mich dann schon etwas mit Weihnachten zu tun: denn Gott will ja das Leben der Menschen bewahren. Also stellen wir ruhig das Essen in den Mittelpunkt, und sorgen uns dabei um uns selbst ebenso wie um unseren Nächsten. Denn: Das Wichtigste an Weihnachten ist der Mensch!

Inge Broy / unveröffentlichter Text


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