Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Inge Broy Gedanken zur Adventszeit

"O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der die Gegensätze eint: Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast!" So wird es heute im Abendgebet der Kirche, in der Vesper, gesungen.

Stand: 22.12.2020

22 Dezember

Dienstag, 22. Dezember 2020

"O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der die Gegensätze eint: Komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet hast!" So wird es heute im Abendgebet der Kirche, in der Vesper, gesungen. An den sieben Tagen vor Weihnachten wird Christus angerufen mit Bildern, die im Alten Testament die Hoffnung auf den Messias, auf den Retter ausdrücken. An jedem Tag wird darin eine andere Sehnsucht und Hoffnung angesprochen. Heute ist es die Hoffnung auf den König, der die Gegensätze einen und die Menschen retten kann. Mit dem Bild von Königtum und Herrschaft verbinden wir so vieles andere - von alten Königshäusern über selbstgefällige Präsidenten bis hin zu Diktatoren; auch in der Kirche ist Macht ein großes Problem. Wie also sollte ausgerechnet ein König für die Versöhnung der Gegensätze, für Gerechtigkeit und Rettung stehen können? Hinter diesem Ruf steht die Überzeugung, dass Menschen nie unbegrenzte Macht übereinander haben. Kein Mensch gehört einem anderen Menschen. Und kein Mensch ist Gott. Christus als König anzurufen heißt, die Grenzen der eigenen Macht anzuerkennen und zu verstehen, dass ich mein Leben nicht mir selbst verdanke. Das wird an Weihnachten besonders augenfällig: Denn dann rufen wir Christus den König als neugeborenes und machtloses Kind an, und hoffen, dass er die Gegensätze in unserem Leben versöhnt und uns rettet.

Inge Broy / unveröffentlichter Text


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