Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Johanna Haberer Gedanken zur Adventszeit

Es war ein Aufatmen in der Welt zu spüren, als am 7. November am frühen Abend deutscher Zeit der amerikanische Sender CNN verkündete, dass die USA einen neuen Präsidenten haben.

Stand: 17.12.2020

17 Dezember

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Es war ein Aufatmen in der Welt zu spüren, als am 7. November am frühen Abend deutscher Zeit der amerikanische Sender CNN verkündete, dass die USA einen neuen Präsidenten haben. Einen anderen. Wir, in der Welt der demokratischen Staaten hatten mit jedem Tag ein bisschen mehr geschockt erfahren müssen, ein Führer der freien Welt darf ungestraft Vereinbarungen, kippen, er darf sein Volk anlügen, er darf die Leute aufhetzen, er darf sich mit wütenden Waffenträgern zusammentun, er darf öffentlich Politiker, Künstler, Sportler beschimpfen und niemand kann ihm offenbar Einhalt gebieten. Es war für einen Augenblick ein Aufatmen in der Welt. Vielleicht singen oder lesen wir unter diesen Eindrücken in diesem Jahr das Adventslied "Mach hoch die Tür, die Tor mach weit" ganz anders. Der König, auf den wir im Advent warten, ist sanftmütig, heißt es da, er hat Mitleid mit den Schwachen und Ausgegrenzten, er kümmert sich um die Nöte der Menschen, er tröstet und er ist gerecht und freundlich. Was für ein gutes Modell für einen, der Vorbild sein will für andere. Seit wir die Ankunft dieses Jesus von Nazareth begehen und bedenken, kann man eigentlich hinter dieses Modell von einem Staatenlenker nicht zurück. Auch wenn wir Menschen sind und immer wieder an dem scheitern, was wir uns vornehmen: Jeder und Jede, die politische Verantwortung tragen, sollte sich daran messen lassen.

Johanna Haberer / unveröffentlichter Text


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