Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Adventszeit

Morgen, am 13. Dezember, ist es 1300 Jahre her, dass im Elsass auf dem Odilienberg die heilige Ottilie gestoben ist.

Stand: 12.12.2020

12 Dezember

Samstag, 12. Dezember 2020

Morgen, am 13. Dezember, ist es 1300 Jahre her, dass im Elsass auf dem Odilienberg die heilige Ottilie gestoben ist. Eine elsässische Heilige ist in Bayern nicht unbedingt Tagesthema, aber mit dieser heiligen Ottilie verhält es sich doch anders. Sie ist bei uns fast so populär wie in ihrer Heimat. In Möschenfeld, einem kleinen Flecken im Münchner Osten, findet sich der bedeutendste spätmittelalterliche Bilderzyklus über das bewegte Leben der Heiligen. Kann so ein Nonnenleben bewegt sein? Hier sei's nur angedeutet: Die spätere Nonne kommt blind zur Welt, und der jähzornige Vater - ein Herzog - will sie umbringen lassen, was die Mutter listig hintertreibt. Dafür erschlägt der Vater später seinen Sohn. Das ist der Auftakt. Westlich von München liegt ein großes Benediktinerkloster, das dieser Heiligen gewidmet ist und in dem ich zu Hause bin. Am schönsten ist vielleicht die Geschichte von Hellring bei Regensburg. Das Mädchen wurde ja im Exil aufgezogen, fern vom gewalttätigen Vater. Ein paar Jahrhunderte später schlussfolgern die Augustiner von Paring recht phantasievoll, dass das genau dort gewesen sein muss, in Hellring. Da entsteht deshalb eine prächtige Wallfahrtskirche und es wird alle Jahre eine Dult zu Ehren der heiligen Ottilie abgehalten, nur heuer nicht. Das gehört auch zu unserer Heimat, dass eine elsässische Nonne kreuz und quer durch Bayern ihre Spuren hinterlassen hat.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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