Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Adventszeit

Obwohl die Zeit eigentlich gleichmäßig dahintickt, gibt es im Rückblick Gipfel und Abgründe, die dem Ganzen Kontur geben, und unserer Erinnerung Halt.

Stand: 11.12.2020

11 Dezember

Freitag, 11. Dezember 2020

Obwohl die Zeit eigentlich gleichmäßig dahintickt, gibt es im Rückblick Gipfel und Abgründe, die dem Ganzen Kontur geben, und unserer Erinnerung Halt. Einiges ist ganz persönlich - der Schulabschluss, die Hochzeit, das erste Kind, der Tod der Eltern, anderes haben wir alle gemeinsam: 1989, 1968, 1945 - das sind Jahreszahlen, mit denen auch die etwas verbinden, die damals noch gar nicht gelebt haben. 2020 wird einen Platz in dieser Reihe bekommen, mit ein paar neuen Stichworten: Lockdown, Maskenpflicht, Kontaktsperre. Früher schrieb man bei den Jahreszahlen dazu Anno Domini - im Jahr des Herrn. Gemeint ist damit Jesus Christus, auf dessen Geburt - über den Daumen gerechnet - die Jahreszählung ja zurückgeht. Wenn's feierlicher sein sollte, sagte man "Im Jahre des Heils". Heute heißt es "nach Christi Geburt". Die weniger religiösen Zeitgenossen haben versucht, das zu ersetzen mit "n.u.Z." - nach unserer Zeitrechnung - aber das hat sich nicht bewährt. Die guten Jahre und auch die nicht so Guten reihen sich aneinander. Wir müssen sie durchstehen, und wenn wir sie überlebt haben, nach Möglichkeit unseren Frieden damit machen. Erträglich bleibt das auch, weil wir Menschen fast unbelehrbar hoffnungsvoll sind.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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