Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremias Schröder Gedanken zur Adventszeit

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen."

Stand: 10.12.2020

10 Dezember

Donnerstag, 10. Dezember 2020

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen." Das ist der Artikel eins der UN-Menschenrechtsklärung, die heute vor 72 Jahren verabschiedet wurde. Große Dinge werden da festgestellt: Freiheit, Gleichheit, Würde und Rechte, Vernunft und Gewissen. Nur die Brüderlichkeit wird nicht einfach festgestellt, sondern es heißt: "die Menschen sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen." Da wird die Französische Revolution zitiert. Die hat sich mit der "Fraternité" auch nicht so leichtgetan, wie man nach ein paar Tausend Hinrichtungen feststellen musste. Zuletzt hat sich Papst Franziskus am Thema der Brüderlichkeit abgearbeitet mit seiner Enzyklika "Fratelli tutti". Im deutschen Untertitel ist von der Geschwisterlichkeit die Rede, so ist eine Klippe schon mal umschifft worden. Wer aus einer großen Familie kommt, oder wer wie ich mit 80 Glaubensbrüdern in einem Kloster lebt, der weiß, dass es bei Geschwisterlichkeit nicht einfach um Tränen der Rührung geht, eher schon um die Schweißtropfen der Arbeit und der Mühsal. Geschwisterlichkeit ist eine Aufgabe, kein Geschenk. Aber sie macht das Leben für alle besser.

Abtpräses Jeremias Schröder / unveröffentlichter Text


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