Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Christoph Breit Gedanken zur Adventszeit

Heute und morgen wäre ich der Maronimann auf unserem Christkindlmarkt.

Stand: 05.12.2020

05 Dezember

Samstag, 05. Dezember 2020

Heute und morgen wäre ich der Maronimann auf unserem Christkindlmarkt. Beim Obst- und Gemüsehändler hätte ich 30 Kilo schöne Esskastanien gekauft, sie mit einem Messer einzeln eingeritzt und auf dem Platz vor dem Rathaus zwischen den anderen Buden meinen Stand aufgebaut. Mit dem südtiroler Keschtn-Ofen und offenem Feuer, einer Lampe und einem Tisch. Und zwei Tage lang Maroni gebraten. Für einen guten Zweck. 200 Euro Spende von mir würden zu 600 Euro. Und ich beschenkt von vielen glücklichen Menschen, denen meine Maroni Kindheitserinnerungen ins Gesicht zaubern. Dieses Jahr nicht. Der Christkindlmarkt wurde schon vor Wochen abgesagt, weil nicht nur der Glühwein die Menschen zusammenrücken lässt und das gefährlich ist. Klar verstehe ich das, aber mir wird auch bewusst, wie sehr und wie oft wir kleine Glücksmomente an Sachen festmachen, denen wir sonst kaum Aufmerksamkeit schenken. Zehn heiße Maroni in einer Tüte. "Mein Vater hat die mir immer gekauft" sagt die ältere Frau und lächelt vor sich hin. "Ich wärm' mir immer die Finger dran" sagt eine andere und man spürt, wie sie die Wärme auch innerlich braucht. "Sans guad?" fragt ein Mann etwas mürrisch, der wohl schon seine Erfahrungen gemacht hat. "wunderbar war'ns" strahlt er später, als er das nächste Mal vorbeikommt und noch eine Tüte kauft. Manches lernt man erst schätzen, wenn es nicht mehr da ist. Auch eine Lehre aus diesen Tagen im Advent.

Christoph Breit / unveröffentlichter Text


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