Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Christoph Breit Gedanken zur Adventszeit

Sie ist auf dem Weg ins Gefängnis. Ihr Vater hat sie festnehmen lassen, weil sie sich zum Christentum bekennt.

Stand: 04.12.2020

04 Dezember

Freitag, 04. Dezember 2020

Sie ist auf dem Weg ins Gefängnis. Ihr Vater hat sie festnehmen lassen, weil sie sich zum Christentum bekennt. Was für eine Schande für die Familie! Die junge Frau wäre eine so gute Partie, die Verehrer stehen Schlange. Sie aber will Christus nachfolgen und Jungfrau bleiben. Den Weg hinab in den Kerker bleibt ihr Kleid an einem Ast hängen, der abreißt und sich im Stoff verfängt. In der Zelle stellt sie den Zweig in ein Wasserglas. Er wird blühen am Tag ihrer Verurteilung. Heute ist Barbaratag. Der Tag, der an die Heilige Barbara aus der frühen Christenheit erinnert. Eine Zeit, in der das Bekenntnis zu Jesus das Leben kostete. So wie heute noch in manchen Ländern der Erde. Die Legende mit dem abgerissenen Ast im Kleid begründet einen Brauch, den viele kennen. Heute einen Zweig eines Kirsch- oder Apfelbaum oder einer Forsythie zu schneiden und im Zimmer ins Wasser zu stellen. Weil er an Weihnachten dann Blüten trägt. Ein kleines Zeichen ist das nur, das auch damals nichts an der Grausamkeit der Welt geändert hat. Für mich aber bleibt es ein Symbol, dass auch in dürrer Zeit das Leben blüht, dass es nicht immer so grau und karg bleibt. Und dass Gott jedes Leben begleitet. Das hole ich mir heute ins Zimmer. Diesen scheinbar leblosen Zweig. Ich schneide ihn und versorge ihn mit Wasser, damit es auch im meinem Leben blüht.

Christoph Breit / unveröffentlichter Text


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