Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Miek Pot Gedanken zum Tag

Zentral in der Kontemplation, wie ich sie nach meiner zwölfjährigen Eremitenzeit entwickelt habe, ist die Erfahrung.

Stand: 20.11.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

20 November

Freitag, 20. November 2020

Zentral in der Kontemplation, wie ich sie nach meiner zwölfjährigen Eremitenzeit entwickelt habe, ist die Erfahrung. Das heißt, das Empfinden des unendlichen stillen Raums in uns, eines Orts des tiefen Wissens. Damit ist gemeint, die ultimative Wirklichkeit, jenseits aller Bilder, erfahren zu dürfen. Dazu verlassen wir unsere mentale Aktivität, unsere Sprache und Gewohnheiten. Die Stille ist dabei für mich das transparenteste aller möglichen Mittel. Als Form ohne Form schenkt sie – in purster Weise - Raum. (…) Wesentlich ist, das stille Sitzen jeden Tag zu üben. (…) Wir machen uns frei für die Stille, während wir uns innerlich konzentrieren oder, besser gesagt, ausrichten. (…) Im Schweigen entsteht Raum für die ausgedehnte, innere Weite (…). Das Sein, das ganz dem Schweigen zugewandt ist, ist die alles entscheidende Disziplin für den Tiefgang der Reise. Kontemplation ist eine Leidenschaft von mir, weil diese tiefere Schicht in mir (Gott) zu erfahren, immer meine größte Sehnsucht war. Im Lauf der dreißig Jahre, die ich mich inzwischen mit Kontemplation und Mystik beschäftige, habe ich ein Muster entdeckt. (…) Manchmal hat man das Gefühl, wieder ganz von vorne anzufangen, und es gibt Momente, da befindet man sich im Zentrum des eigenen Wesens.

Entnommen aus: Miek Pot "Innere Stille finden. Der kontemplative Weg", aus dem Niederländischen von Waltraud Heitzer-Gores, Scorpio Verlag, München 2015


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