Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Christina Rasmussen Gedanken zum Tag

Die Tatsache, dass man sich immer wieder, tagein, tagaus, neu für das Glück entscheiden muss (...) befreite mich von meinem Anhaften am Verlust und ermöglichte es mir, mich wieder dem Leben zuzuwenden.

Stand: 17.11.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

17 November

Dienstag, 17. November 2020

Die Tatsache, dass man sich immer wieder, tagein, tagaus, neu für das Glück entscheiden muss und dass Glück nicht eine auf einem bestimmten Ereignis beruhende Erfahrung ist, befreite mich von meinem Anhaften am Verlust und ermöglichte es mir, mich wieder dem Leben zuzuwenden. Nachdem ich diese Tatsache für mich entdeckt hatte, konnte ich mich dafür entscheiden, wieder glücklich zu werden. Wenn wir großen Kummer erlebt haben, neigen wir dazu, mit Leib und Seele an dem dahinterstehenden Verlust festzuhalten, und begründen eine gewisse Zeitlang all unser Unglücklichsein mit den Details dieses Verlustes. Es ist so leicht, das Unglücklichsein über den Verlust eines geliebten Menschen mit der Traurigkeit über unsere aktuelle Lebenssituation zu verwechseln. Selbst Jahre später tendieren wir noch dazu, von dem Verlust im Präsens zu sprechen, als würde er uns jetzt betreffen - weil dies ja auch der Fall ist. Mit starken Gefühlen verknüpfte Erinnerungen haben eine unglaubliche und unmittelbare Macht. Leider wirft ein solcher Verlust aufgrund seines Ausmaßes einen derartigen Schatten auf die Wirklichkeit, dass wir die vielen anderen Gründe, aus denen wir nicht glücklich sind, womöglich gar nicht sehen können.

Entnommen aus: Christina Rasmussen "Lebe – lache – liebe. Neustart ins Leben nach einem schmerzlichen Verlust", aus dem Englischen von Judith Elze, Knaur Verlag, München 2014


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