Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

Weltraumfahrer erleben, sobald sie mit ihrer Raumfähre das Gravitationsfeld der Erde verlassen haben, die Schwerelosigkeit. Sie schweben.

Stand: 24.10.2020

24 Oktober

Samstag, 24. Oktober 2020

Weltraumfahrer erleben, sobald sie mit ihrer Raumfähre das Gravitationsfeld der Erde verlassen haben, die Schwerelosigkeit. Sie schweben. Eine ähnliche Erfahrung sollten auch die machen, die den Glauben angenommen haben. Für sie sollte die Erde an Anziehungskraft verlieren. Der Glaube sollte sie fähig machen, unbeschwerter und sorgloser zu leben. Aber leider sind Sorglosigkeit und Unbeschwertheit auch unter Christen rar. Schwermut hat sich breitgemacht: Die Sorge um den stets fortschreitenden Säkularisierungsprozess und um die von Unmoral bedrohte Welt, auch die Angst, man hechle hinter der Zeit her und könne den Anschluss an die Zeit verpassen. Das Erscheinungsbild der Kirche ist nicht positiv. Sie gleicht einer Witwe, die mit verweinten Augen in Trauerkleidern umhergeht. Schwarz war lange Zeit die Standeskleidung des Klerus. Nur die in der Hierarchie höher Stehenden durften hellere Farben wählen. Das Bild einer Braut – das der Stifter der Kirche gebraucht - die froh gestimmt auf das Kommen ihres Bräutigams wartet, geriet in Vergessenheit. Von einer Erwartungshaltung merkt man wenig. Christian Morgensterns Bemerkung: "Er konnt‘ nie über etwas lachen, wie kann ein Mensch so tief verflachen?", trifft auch auf manchen Christen zu. Ein Christ darf leichtsinnig, leichten Sinnes sein und optimistisch in die Zukunft blicken. Er müsste wissen, dass die Namen aller, die an Jesus Christus glauben, schon jetzt im Himmel aufgeschrieben sind.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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