Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Karin Seethaler Gedanken zum Tag

Unterbrechungen sind auf unserem Weg zu Gott so wesentlich, dass der Theologe Johann Baptist Metz die Unterbrechung sogar als kürzeste Definition von Religion bezeichnet hat.

Stand: 23.10.2020

23 Oktober

Freitag, 23. Oktober 2020

Unterbrechungen sind auf unserem Weg zu Gott so wesentlich, dass der Theologe Johann Baptist Metz die Unterbrechung sogar als kürzeste Definition von Religion bezeichnet hat. Unterbrechungen zeichnen ein Kirchenjahr aus. In der (..) Fastenzeit ist man eingeladen, den Alltag zu entschleunigen und zu unterbrechen, um sich (..) auf das Osterfest vorzubereiten. (..) Jeder Sonntag unterbricht die Arbeitswoche. (..)Das Unterbrechen und Innehalten schenkt Erholung, schafft Raum, um Neues aufzunehmen. Das Unterbrechen und Innehalten ist natürlich nicht nur an das Kirchenjahr gebunden, sondern kann jederzeit spontan gelebt werden. Ich unterbreche z. B. meinen Alltag, indem ich kurz zum Himmel schaue, tief durchatme, Gott mitteile, was mich augenblicklich bewegt, ihn um Beistand bitte und mich dann wieder meinen Aufgaben widme. (..) Unterbrechungen wirken zunächst wie unscheinbare, kleine Perlen, doch am Ende eines Tages sind sie zu einer wertvollen Perlenkette geworden, die diesen Tag bereichert und schöner gemacht hat. Würde man sich keine Unterbrechung zugestehen und beständig im Machen und im Tun bleiben, gliche man einem Zug, der seine Bestimmung verfehlt, weil er an allen Bahnhöfen vorbeifährt.

Entnommen aus: Karin Seethaler "Die Kraft der Kontemplation", Echter Verlag, Würzburg 2013


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