Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Walter Rupp Gedanken zum Tag

Das Lachen ist selten geworden. Heute ist Ernsthaftigkeit gefragt.

Stand: 01.08.2020

01 August

Samstag, 01. August 2020

Das Lachen ist selten geworden. Heute ist Ernsthaftigkeit gefragt. Noch kommt es vor bei Politikern nach Wahlen, vorausgesetzt sie haben diese gewonnen und bei Anlässen, die auf Videos oder Fotos festgehalten werden. Sonst ist das Lachen meist auf bestimmte Berufsgruppen beschränkt: Auf Models, Fernsehmoderatorinnen und Stewardessen, die manchmal sogar über ihre Dienstzeit hinaus lächeln, denn Weinen wäre ein Entlassungsgrund. Das Lächeln gehört bei ihnen so sehr zu ihrem Gesicht, dass es sich nicht mehr herausradieren ließe. Aber die meisten Zeitgenossen kommen ein Leben lang ohne Humor aus. Die Kultusministerien müssen ihn nicht untersagen, weil weder Lehrer noch Schüler ein Interesse daran haben, und die Angestellten wissen, dass er nur gegen Widerstände durchzusetzen wäre. An den Urlaubsorten ist Humor nirgendwo gefragt, weil die Leute sich erholen möchten. Die Kabarettisten wissen oft nicht viel damit anzufangen und nehmen die menschlichen Schwächen mit so beißendem Spott aufs Korn, dass den Leuten das Lachen vergeht. Und die Psychotherapeuten, die wissen müssten, eine welch heilsame Wirkung der Humor hat, verlassen sich beim Therapieren lieber auf das tiefschürfende analytische Gespräch. Viele lachen heute nicht, weil sie an ihrem Wohlstand leiden. Für sie ist das Leben eine zu ernste Sache. - Wer jedoch nicht lachen kann, den sollte man auch nicht ernst nehmen.

Walter Rupp SJ / unveröffentlichter Text


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