Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Jeremy Rifkin Gedanken zum Tag

Unsere empathische Prädisposition, unsere Anlage zum Mitfühlen, ist kein fehlersicherer Mechanismus, der es uns erlaubt, unsere Menschlichkeit zu vervollkommnen.

Stand: 31.07.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

31 Juli

Freitag, 31. Juli 2020

Unsere empathische Prädisposition, unsere Anlage zum Mitfühlen, ist kein fehlersicherer Mechanismus, der es uns erlaubt, unsere Menschlichkeit zu vervollkommnen. Sie stellt vielmehr eine Chance dar, die Menschheit zu einer Großfamilie zu machen. Allerdings muss die Empathie ständig trainiert werden. An der jetzigen Epochenschwelle steht unser empathisches Vermögen vor einer abermaligen Herausforderung. Die dritte industrielle Revolution und die neue Ära des dezentralisierten Kapitalismus ermöglichen es uns, einen neuen Weg der Globalisierung zu beschreiten: (…) gestützt auf regenerative und regional gewonnene Energien, aber weltweit vernetzt. Dieser Weg muss jedoch erkämpft werden, er versteht sich nicht von selbst. Ironischerweise ist es ausgerechnet die sich anbahnende Klimakatastrophe, die uns zu der Erkenntnis zwingt, dass wir alle in einem Boot sitzen und uns nirgendwo in Sicherheit bringen können. Es ist ein Wettrennen. Mit Schuldzuweisungen, dem herkömmlichen Denken, Machtdemonstrationen und den taktischen Manövern der offiziellen Regierungspolitik können wir es nicht gewinnen. Der Kollaps der Erde lässt sich nur verhindern, wenn eines rechtzeitig die ganze Menschheit umfasst: das universalisiert empathische, das biosphärische Bewusstsein.

Entnommen aus: Jeremy Rifkin "Die empathische Zivilisation. Wege zu einem globalen Bewusstsein", aus dem Englischen von Ulrike Bischoff, Waltraud Götting und Xenia Osthelder, campus Verlag, Frankfurt am Main 2010


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