Bayern 2 - Gedanken zum Tag


4

Burkhard Ciupka-Schön Gedanken zum Tag

Luther hat sich nicht ganz und gar für die Abschaffung der Beichte eingesetzt. Dazu war er wahrscheinlich zu katholisch, vor allem zu mönchisch geprägt.

Stand: 27.07.2020

Gedanken zum Tag | Bild: colourbox.com/Montage: BR

27 Juli

Montag, 27. Juli 2020

Luther hat sich nicht ganz und gar für die Abschaffung der Beichte eingesetzt. Dazu war er wahrscheinlich zu katholisch, vor allem zu mönchisch geprägt. Im Gegenteil ist zu erkennen, dass er es sogar als "3. Sakrament" in Erwägung zieht. Die Beichte ist aber im Wesentlichen ein seelsorgerliches Gespräch zwischen Christen, das helfen soll, die Gedanken zu klären und mit sich und seiner Schuld (natürlich auch vor Gott) ins Reine zu kommen. (…) Wenn Sünde als moralisches Vergehen oder inneres Fehlverhalten verstanden wird und damit die Gedanken und Werke des Einzelnen sozusagen immer vor "Gericht" stehen, dann entsteht das Problem der Angst und der ständigen Kontrollierbarkeit. Sünde ist aber (…) anders zu definieren. Gott schaut längst in mein Herz und kennt mich in meiner ganzen Zerrissenheit. Damit geht es in der Beichte um Klärung für mich selbst, um Offenheit und Freiheit vor Gott. (…) Gott schenkt allen Menschen seine bedingungslose Liebe, die uns befreit und zu einem neuen Leben befähigt. (…) Der Ausgangspunkt der christlichen Ethik bleibt die Überwindung der Sünde durch die Liebe Gottes. Ein Sündenbegriff, der Menschen unter Druck setzt und Angst und Schrecken verbreitet, ist darum eigentlich nicht im Einklang mit dem Evangelium.

Entnommen aus: Burkhard Ciupka-Schön und Hartmut Becks "Himmel und Hölle. Religiöse Zwänge erkennen und bewältigen", Patmos Verlag, Ostfildern 2018


4