Bayern 2 - Gedanken zum Tag


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Katja Gentinetta Gedanken zum Tag

Gute Eliten dienen allen, schlechte sich selbst. Nach meiner Wahrnehmung ist dieses Kriterium weitgehend außer Blick geraten, ja verloren gegangen.

Stand: 01.07.2020

01 Juli

Mittwoch, 01. Juli 2020

Gute Eliten dienen allen, schlechte sich selbst. Nach meiner Wahrnehmung ist dieses Kriterium weitgehend außer Blick geraten, ja verloren gegangen. Wir leben in einer "Gleichheitsgesellschaft", die zwar ein Produkt der - begrüßenswerten - fortschreitenden Demokratisierung ist, jedoch zum Überschießen neigt. Dieser Entwicklung ist es geschuldet, dass ein Qualitätskriterium für Eliten weitgehend verschwunden ist und stattdessen eine (…) ideologisch motivierte Kritik an ihr dominiert: Weil alle gleich sind, kann es keine Eliten geben. Wenn es sie dennoch gibt, dann ohne eigentliche Existenzberechtigung, geschweige denn Legitimation. Womit sich jede qualifizierte Kritik an ihr erübrigt. Nur: Es gibt keine Gesellschaft ohne Eliten. Es kann sie nicht geben, ganz einfach deshalb, weil wir nicht alle gleich sind und auch nicht gleich werden, geschweige denn gleich gemacht werden können. (…) Eine Elitenkritik, die im Kern auf ihrer Negation beruht, schießt deshalb ins Leere. Fruchtbarer und auch angemessener wäre es (…), auf dieses alte, ja uralte Qualitätskriterium zu setzen, wenn es um die Beurteilung von Eliten geht: Wem dienen sie: sich selbst oder den andern?

Entnommen aus: Katja Gentinetta "Eliten in der Politik: Wem dienen Sie?" in: "Die Werte der Wenigen. Eliten und Demokratie", Philosophicum Lech, Bd. 23, hrsg. von Konrad Paul Liessmann, Paul Zsolnay Verlag, Wien 2020


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